Buch: Alles Mythos – 20 populäre Irrtümer über den Wilden Westen

Hier übernahm der Autor eine je nach Standpunkt dankbare oder auch undankbare Aufgabe. Manche wollen ihre teils romantisch verklärten Vorstellungen nicht ändern, andere wiederum sehen nur in schonungsloser Wiedergabe der Realitäten eine echte Darstellung des Westens gewährleistet. Emmerich pickte zwanzig gängige Themen heraus und stellt sie den tatsächlichen Zuständen gegenüber. Dies geht von den gebrochenen Verträgen mit den Indianern, über den Goldrausch, über die Besiedlung des Westens, über den Eisenbahnbau, bis hin zu Karl May, und auch zur Country (& Western) Music. Eine eindrucksvolle Bandbreite an Themen. Es werden dabei nicht nur vermeintliche Irrtümer behandelt, sondern man bekommt auch viel geschichtliches Wissen vermittelt. Der Beitrag über die deutsche Besiedlung von Texas wird bestimmt zahlreiche Leser beeindrucken, wenn auch wegen Waylon Jennings‘ “Luckenbach, Texas“ bereits eine Menge Kenntnisse über diese Ära vorhanden sein dürften. Hier in Texas wurde übrigens von deutschen Siedlern und Komantschen der einzige Vertrag zwischen Weißen und Indianern geschlossen, der nie gebrochen wurde, wie es auf einer Gedenktafel in San Saba heißt. Aber auch die Probleme mit Einwanderung und Eingliederung – hier am Beispiel deutscher und irischer Katholiken – werden angeschnitten, und vom vermeintlich gelobten Land ist dabei nicht viel zu spüren; ebenfalls ein Irrtum, der nun aufgedeckt wird. Näher am Thema Western liegen dann die Abhandlungen über das Leben der Cowboys, der Revolverhelden, sowie der Sheriffs, denn gerade hierbei verstand man es in Hollywood, eine sicherlich faszinierende, aber keineswegs authentische Welt vorzugaukeln – die Realität sah teils völlig anders aus, wie dieses Buch beweist.
Ulrich K. Baues