Buch: London – Label – Lexikon – London Records in Deutschland 1954-1974

Die fünfziger Jahre brachten der Musikindustrie hierzulande eine Umwälzung, die in dieser Form bislang keinen Vergleich fand. Dies hatte teils ganz profane Gründe. Plötzlich gab es nämlich Schallplatten zu kaufen, die einen völlig anderen Sound verbreiteten, als damals im Radio bevorzugt lief. Aber diese neue Situation wiederum resultierte aus rein kommerziellen Gründen, denn nun nahmen hier Plattenfirmen die Arbeit auf, die vorher nicht existierten. Diese Neulinge vertrieben eben keine deutschen Titel, sondern gezielt Material von US-Stars. Hier greift das vorliegende Buch die Geschichte von „London“ auf, jener Firma, die den deutschen Jugendlichen den Kauf der Singles von Bill Haley oder Ricky Nelson erst ermöglichte. Und wie man schnell merkt, gab es bei „London“ zahlreiche Produktionen von Künstlern unterschiedlicher US-Labels zu kaufen, von Imperial, Jamie oder Atlantic beispielsweise. Durch diese Palette hatten die deutschen Fans endlich Gelegenheit, auch Platten von Roy Orbison, Jerry Lee Lewis, Eddie Cochran, Duane Eddy, und den Everly Brothers zu erwerben. Diese sehr sorgfältig recherchierte Dokumentation beschreibt unter Zuhilfenahme vieler Fotos die Anfänge der Firma London während der fünfziger Jahre in Hamburg, und man bekommt einen exzellenten Eindruck über die Vermarktung von Schallplatten während jener Zeit. Ebenfalls sehr akribisch werden sämtliche hier erschienenen Schallplatten aufgelistet, nach Nummern geordnet, sowohl Singles als auch EPs und LPs. Zwischendurch zeigt das Buch seitenweise in Farbe unzählige Plattenhüllen und auch Abbildungen diverser Etiketten. Für jeden Musikfan, der vollständige Diskografien bevorzugt, dürfte dieses Buch ein Traum sein. Es ist erstaunlich, wie viele Tonträger mit Country Music damals hierzulande erhältlich waren. Hinzu kommen noch kompakte Biografien von mehr als vierzig Stars aus dieser Zeit, darunter Charlie Rich, Slim Whitman, Carl Perkins, oder Bill Black. Man sieht, viele Interpreten der legendären Firma Sun Records aus Memphis landeten hier, bis auf Elvis Presley.

Ulrich K. Baues