THE CASHMEN im Logehuus in Hesedorf

Eine ganz spontane Reise nach Bremervörde:

Es war eine doch recht spontane Entscheidung, an diesem Weekend ein Konzert einer Band zu besuchen, die wir noch nicht kannten, deren Ankündigung jedoch viel erhoffen ließ. THE CASHMEN entpuppten sich beim Auftritt im Logehuus, dem Veranstaltungszentrum des dortigen sehr rührigen Heimatvereins im Ortsteil Hesedorf der Stadt Bremervörde, als fünf äußerst spielfreudige, charmante Musiker, die sich der Welt und den Songs von JOHNNY CASH verschrieben haben und ein weit gespanntes Repertoire seiner Lieder beherrschen - von den 50ern des vergangenen Jahrhunderts bis zu denen seiner American Recordings. Und das, wir befanden uns ja doch ganz nah an der Küste, in einem Sound, der beiden gerecht wurde, dem Meer und dem ‚Man in Black‘!

‚The Johnny Cash Harboursound‘, eine Art der Interpretation von Johnny Cashs Songs, die ich bisher so noch nicht erlebt hatte. Oder können Sie sich vorstellen, dass neben TODD E. CASHLESS, Lead Vocal, und Upright Bass (HUN S. CASHFLOW), Drums (PAUL B. CASHELL) und Acoustic-Guitar des Leadsängers auch noch ein Akkordeon (CAULJA J. CASHBAG) dabei ist und dieser Sound insgesamt so eingängig und harmonisch klingt, dass man(n) sich gar nicht vorstellen kann, dass nicht schon mal jemand viel früher auf diese Idee gekommen ist? Zumal das im Grunde gar nicht so neu ist. Bei vielen meiner guten Kontakte zu US Bands habe ich im Laufe der Jahre wiederholt gehört und erfahren, dass diese sich immer wieder bei ihren Auftritten in Good Old Germany auch des Akkordeons bedienen und sich bei uns Deutschen dafür bedanken, dass es angeblich wir waren, die das Akkordeon zu ihnen übern Teich gebracht haben… 

Diese Jungs aus Bremerhaven (daher auch der Untertitel ‚The Johnny Cash Harboursound‘- Harbour=Hafen) zauberten also fast drei Stunden lang legendäre Johnny Cash Titel von ‚Cry, cry, cry‘, ‚Saint Quentin‘,‚Orange Blossom Special’ bis zu ‚Hurt’, aber auch Cash Coverversionen wie ‚Sixteen Tons‘ aus dem Jahre 1987 (das ich übrigens – in der Version von Ralph Bendix – bei meinem allerersten öffentlichen Auftritt mit Band im Jahre 1958 bei einem ‚Tanztee’ der Tanzschule Beuss in der Schützengilde zu Peine sang) oder ‚Memories are made of This‘ (erst 1996 von Johnny Cash aufgenommen) aus 50 Jahren Musikgeschichte auf die Bühne, so dass – und das will wirklich was heißen – die Besucher schon beim zweiten Titel mit klatschten, mitsummten und z. T. sogar die eine oder andere Zeile mitsangen. Die Akustik im angenehmen Ambiente des Erdgeschosses war gut, begünstigt auch durch eine massive Holzdecke in diesem erst vor knapp zwei Jahren neu aufgebauten Fachwerkhaus. Da am Mischpult mit Björn Lotorzenski aus Lemwerder ein absoluter Experte saß, war das ein echtes Hörerlebnis, egal, ob man vorne in der ersten Reihe oder weiter hinten, oder auch etwas seitlich der schmucken Bühne saß.

Der Veranstalter, der Hesedorfer Heimatverein e.V. von 1992, hatte sich also alle Mühe gegeben, beste Voraussetzungen für dieses (nicht nur für Cash- & Country Fans) Konzert der Spitzenklasse zu schaffen. In einer Pause zwischen den beiden jeweils etwa 90minütigen Sets konnte man im Obergeschoss an hübsch gedeckten Stehtischen unterschiedliche Getränke zu sich nehmen, dazu gab es kleine Appetithäppchen in Form von Käsespießen. Und dabei ergaben sich ganz zwanglos auch Gespräche mit anderen Gästen, so auch engagierten Vereinsmitgliedern, wie z. B. dem 1. Schriftführer, Oliver Schulz, der The Cashmen beim Hafenfest in Bremerhaven im Sommer erlebt hatte und so begeistert war, dass er die Jungs kurzerhand für den Verein hier und heute verpflichtet hatte.

In strahlendem Sonnenschein waren wir gekommen, nach dem Aufwachen am nächsten Morgen in unserem idyllisch gelegenen Hotel auf einer Flussinsel im nahen Bremervörde mit Blick auf die Oste, sahen wir auf feuchtes Grün-Gelb-Braun der am Boden liegenden Blätter wie auch das dunkle Wasser der Oste, die weiter oben in die Elbe mündet. Auf der Rückfahrt änderte sich am Wetter den ganzen Tag über nicht viel, nur dass der Herbst hier die Blätter von Büschen und Bäumen quer durch die Lüneburger Heide bunt verfärbt hatte und diese im leichten Nieselregen noch kräftiger leuchteten: vom tiefenbraunen Siena über sämtliche Braunstufen bis hin zum Beige, andere in allen nur denkbaren Rottönen! Die Heide, wie man sie wohl selten erlebt!

Übrigens: wem der Weg nach Bremerhaven zu weit ist oder wer nur umständlich hier in die Gegend überhaupt kommt, der sollte wissen, dass diese sympathische Band ‚The Cashmen‘ sich bereits zur jährlich stattfindenden nächsten 18. Internationalen COUNTRY MUSIC MESSE in der URANIA in Berlin für das Wochenende vom 1. bis 3. Februar 2013 angemeldet hat.

Foto & Bericht: Wolfgang J. S. Weiher