Nate Kipp: The Holding Pattern

Liebhaber des traditionellen Texas Countrys: Hier kommt wieder einer dieser jungen, unverbrauchten Kerle, die einzig und allein auf ihr musikalisches Herz hören, die mit dem "aufgemotzten" Pop-Country aktueller Nashville Charts aber auch gar nichts am Hut haben, die auf nichts anderes, als auf "good old-fashioned, beer-drinking, two stepping, steel guitar-playing, honky tonk musical greatness" schwören. Einer aus dieser jungen, hoch talentierten Texas-Garde vom Schlage eines John Slaughter, Cody Johnson oder James Lann: Nate Kipp heißt der Bursche, der nun mit "The holding pattern" sein bereits zweites Album vorlegt, das im Lone Star State schon für mächtig Furore sorgt. Geboren in Pecos und aufgewachsen in West Texas, wird Kipp als eines von 5 Kindern in einer Familie groß, in der die Musik eine immens wichtige Rolle spielt. Seine Mutter spielte Akkordeon und hatte eine wunderschöne Stimme. Sie war zwar keine professionelle Musikerin, schrieb aber dennoch eigene Songs, die immer wieder im Kreise der Familie gespielt und gesungen wurden. Zudem tönten aus dem Radio ständig die Songs von Don Williams, Conway Twitty, Dolly Parton, Willie Nelson und Merle Haggard, was die musikalische Entwicklung von Nate seit seiner frühen Jugend maßgeblich prägte. Kurz nach seinem Highschool-Abschluss ging er nach Nashville und versuchte sich dort zunächst als Songwriter, dann als Performer. Nach vier, viel Erfahrung einbringenden Jahren mit unzähligen Auftritten in Clubs und Bars, sowie jeder Menge Zusammenarbeit mit den aufstrebenden Künstlern und Songwritern in Nashville, war es für ihn an der Zeit, nach Texas zurückzukehren und dort sein eigenes Ding aufzuziehen. Und das heißt: "Pure honky tonk Texas country music"! Heute residiert Nate Kipp, der stimmlich manchmal gar ein wenig an den famosen Marty Stuart erinnert, mit seiner Band "The Road" in Dallas und feiert in Texas bereits immense Erfolge. Die Einflüsse der schon genannte Künstler sind deutlich hörbar, aber auch mit Leuten wie Waylon Jennings, Alan Jackson, George Strait & Co. ist seine Musik vergleichbar. Gut befreundet ist Kipp im Übrigen mit dem texanischen Countrysänger und -songwriter Deryl Dodd. Die Songs sind durchweg klasse und schön variabel, sodass es schwer fällt, einzelne Highlights herauszupicken. Dennoch seien, stellvertretend für eine von vorn bis hinten starke Scheibe, mal ein paar Stücke hervorgehoben. Großartig beispielsweise der lockere, dabei aber durchaus knackige Midtempo Honky Tonker "One for the road" mit seinem vorzüglichen E-Gitarren-Picking (sehr stark Milo Deering, der während des gesamten Albums auch für die exzellenten Steelguitar-, Mandolinen-, und Fiddle-Einsätze zuständig ist) und seiner herrlichen Melodie. Die Nummer passt absolut in das Anforderungsschema eines Alan Jackson. Toll auch der stark Waylon-beeinflusste, klassische Outlaw Country-Song "Frank", mit seinem typischen E-Gitarren-Spiel und den schönen Steel-Fills, sowie die vollkommen traditionelle, wunderbare Midtempo Country-Nummer "The Odessa Song" mit ihren feinen Steelguitar-Klängen und dem prächtigen Baritone Gitarren-Spiel. Erinnert mit ihrem unterschwelligen "Ghost Town"-Feeling ein wenig an die eine oder andere Nummer von Gary Allan. "That's not for you" wiederum ist ein herrliches Tex-Mex-Stück, vorwiegend dominiert von wundervoller Akkordeon- und Acoustic Gitarren-Begleitung. Da kommen einem fast die Texas Tornados oder auch Eleven Hundred Springs in den Sinn, deren Frontmann Matt Hillyer übrigens bei dem bereits erwähnten "Frank" die E-Gitarre zupft. Von einer sehr schönen Melodie und tollen Steelguitar-Licks wird auch das lockere "El Paso" bestimmt, bei dem man sowohl eine gewisse Frische, als auch den authentischen, trockenen Staub Texas' zu spüren glaubt. "Comeback Kid" ist ein uriger Roadhouse-Honky Tonker mit einem leichten Outlaw-Feeling, vorwiegend in Szene gesetzt mit feinem Dobro-Picking und dem Zusammenspiel von akustischer und elektrischer Gitarre. Wie gesagt, das komplette Album bringt den puren Country-Spaß. Das ist schnörkelloser "Real Country", wie er sein sollte. Toll! Und so heben wir, verbunden mit viel Beifall für den Protagonisten, ein schönes, "kühles Blondes" und trinken auf Nate Kipp - "because you can’t have honky tonk music without beer"...

Jürgen Thomae
(www.baerchenrecords.de)