Mark Bender veröffentlicht englischsprachiges Countryalbum

Am 22. März erschien das neue Album von Mark Bender. Der Sänger / Songschreiber / Produzent aus der Oberpfalz hat sich mit dem Album „Great Small Stuff“ einen lange gehegten Traum erfüllt. Gemeinsam mit Studiomusikern aus Tirol und der Unterstützung von Ausnahmefiddler Larry Franklin (Nashville) und Steelgitarrist Dietmar Wächtler (Daniel T. Coates Band), entstanden die Aufnahmen, die dann in München abgemischt wurden.
Neben dem selbst komponierten Titel „1-2-3 (Last Dance In Texas)“ gibt es den Bob Wills Klassiker „My Shoes Keep Walking Back To You“ und 10 weitere neue Countrysongs zu hören.
Die CD „Great Small Stuff“ ist bei Rosewood Music erschienen, der Plattenfirma von Mark Bender.
Mehr zu Mark Benders neuem Album hier in einem ausführlichen Interview:
 

Frage: Sie singen mit dem neuen Album „Great Small Stuff“ erstmals auf Englisch. Wie kam es dazu?

Mark Bender: Ich hatte es eigentlich nicht vorgehabt. Auch wenn ich mir das als 18-Jähriger, als ich mit Country Music das erste Mal in Berührung gekommen bin, so vorgestellt habe, blieb es zunächst ein Jugendtraum. Aber dann habe ich von Anfang an deutschsprachige Alben herausgebracht, alle Songs auf Deutsch geschrieben und das Ganze erstmal für lange Zeit zurückgestellt. Manche Leute haben gesagt: „Ja, das ist zwar klasse was du da machst, aber es ist uns zu sehr Cross-Over und wir möchten mehr Country haben." Bei Live-Veranstaltungen spielen wir ja auch zum Teil englische Titel neben dem Eigenrepertoire und da war es nahe liegend, dass ich mir irgendwann einmal meinen Jugendtraum erfüllen werde und ein englischsprachiges Album auf den Markt bringe. Jetzt war für mich die Zeit reif dafür.
 
Frage: Wie gelang der Schritt ins Englische?
 
MB: Ich habe bei Songs Wanted inseriert. Das ist der übliche Weg, wenn man Songs sucht als Produzent oder Songwriter. Man kriegt dann Zuschriften in Form von Demos, in meinem Fall waren es weit über 300 Titel. Ich habe mir die alle angehört, und es gab eine recht gute Quote an guten Songs. Am Schluss sind ein paar übrig geblieben, die für mich genau gepasst haben. Ich habe mit den Autoren ausgemacht, dass ich die Songs ins Deutsche übertrage und deutsche Texte schreibe. Ganz im Hinterkopf habe ich mir überlegt, es in Bayerisch zu machen. Gerade weil Deutsch oder Hochdeutsch stockend klingt. Der Song „Next To The Moon“ zum Beispiel: Das ist in Englisch gesungen ein schöner Titel – romantisch, melancholisch. Sobald man den Song auf Deutsch singt, wird er sehr schnell zur Oberschnulze. Das war dann so ein Ding, wo ich mir gedacht habe: „Warum machst du es nicht in Englisch so wie es ist? So ist es am coolsten. Warum soll ich das ändern?“ Irgendwann hatte ich es sowieso vorgehabt, das mal zu machen.
 
Frage: Hatten Sie auch Bedenken, die Sprache zu wechseln?
 
MB: Ja, es gab einen Zwiespalt: Wenn man Marketingfachleute fragt, dann sagen einem alle, dass es besser ist, wenn du auf einer Linie bleibst. Du kannst nicht heute das und morgen das machen. Nachdem ich jedoch nie eine große Plattenfirma im Rücken gehabt habe, die mir derartiges vorschreibt, und immer alles selber gemacht habe, konnte ich das selbst entscheiden. Nachdem immer das Gleiche zu machen mir zu langweilig ist, habe ich mir auch in diesem Fall die Freiheit genommen, jetzt mal etwas Neues zu wagen. Ich habe mich dann dazu entschieden, es auf Englisch zu machen, egal was da raus kommt.
 
Frage: Hatten Sie irgendein Style-Vorbild aus Nashville?
 
MB: Nein, das war nur ab dem Moment, in dem ich mich dafür entschieden habe, puren Country auf Englisch zu machen. Da hatte ich sofort ein Bild mit Cadillac und einer schönen Landschaft vor Augen. Das Outfit mit den Boots und allem drum und dran hatte sich bei der Fotosession entwickelt. Alle Klischees erfüllt. Das einzige was fehlt ist das Pferd.
 
Frage: Fühlen Sie sich verkleidet, wenn Sie dieses Outfit anhaben?
 
MB: Zu 90 Prozent fühle ich mich noch wohl, zehn Prozent ist Verkleidung. Früher war es für mich immer ein Argument, dass es gleich nach Cowboyfasching aussieht. Aber da hat der Hut auch nicht zu den Liedern gepasst. Beispielsweise passt für „Im Namen der Rose“ eher etwas Mystisches oder bei „Ein Haus am Meer“ ein Sonnenhut, aber kein Country-Outfit. Ich finde schon, es soll zusammenpassen und bei den neuen Songs tut es das.
 
Frage: Müssen Optik und Musik eine Einheit bilden?
 
MB: Ja, finde ich schon. Ich glaube, das Publikum will auch gewisse Klischees erfüllt sehen.
 
Frage: Aber privat in Neumarkt in der Oberpfalz laufen Sie ohne Hut herum?
MB: Da laufe ich ohne herum.
 
Frage: Aber dennoch muss man sagen, dass Sie jetzt vielleicht konsequenter im Country-Genre sind als zuvor in Ihrer Karriere?
 
MB: Ich versuche New Country auf Deutsch zu machen. Vom Songwriting her wirst du aber durch das, was du normalerweise hörst, beeinflusst. Ich höre beispielsweise auch mal Peter Maffay, Westernhagen oder andere Sachen. Aber eben auch New Country oder Johnny Cash. Man ist in Deutschland anders musikalisch beeinflusst, als wenn man in Nashville lebt und den ganzen Tag nur Country hört. Bei mir entstand dabei früher immer eine Mischung aus ein bisschen Country, ein bisschen Rock, ein bisschen Pop und ein bisschen Schlager. Dadurch habe ich meinen eigenen Stil entwickelt. Ich habe schon den Fall gehabt, dass eine Band zu einem Produzenten gekommen ist und gesagt hat, dass sie meinen Sound haben möchte. Das war natürlich ein Kompliment für mich. Beim neuen Produkt ist es anders: Du siehst das Cover in der Plattenabteilung und weißt, was für eine Schiene es ist. Dass es nichts anderes ist als Country.
 
Frage: Sind Sie der Meinung, dass Country auf Deutsch überhaupt funktionieren kann?
 
MB: Es gibt ein paar Lieder, die ich gemacht habe, bei denen ich dachte, dass ich das geschafft habe, aber das ist eher die Ausnahme. Es ist auch die Frage, was man unter Country versteht. Country-Rock bekommt man auf Deutsch eher hin, als den Country der 60er, 70er, 80er Jahre. Das wirkt in deutscher Sprache gleich so altbacken. Die Musik lebt auch vom Gesang mit seinem typischen amerikanischen Akzent, den beispielsweise Willie Nelson oder Merle Haggard in der Stimme haben. In Deutsch klingt es aufgesetzt. Dieses übermäßige Gequake, was ich auch mal gemacht habe am Anfang. Aber das geht eigentlich nicht. Die Frage ist, was man unter Country eben versteht. Im Prinzip ist es ja auch amerikanische Volksmusik. Wenn man akzeptiert, dass es klingt wie deutsche Volksmusik, dann ist es okay. Ich wollte aber auch keine deutsche Volksmusik machen.
 
Frage: Wie ist das Feedback bisher auf Ihren Imagewandel? Sie haben sich von der deutschen Sprache verabschiedet, zumindest mit dem Album. Wie reagieren die Leute darauf?
 
MB: Ich sage mal 80 Prozent total positiv. Es gibt ein paar Leute, die meine deutschen Sachen extrem gemocht haben, die waren zum Teil ein bisschen enttäuscht. Sie haben gedacht: „Warum macht er es auf Englisch? Hätte er es doch auf Deutsch gemacht.“ Das sind Fans, die gern Deutsch hören und eben meine Texte schätzen, die ja doch immer tiefgründiger oder melancholischer gewesen sind. Es war nicht das total Übliche. Sie haben gesagt: „Deine Texte, das sind deine Stärke.“ Das fehlt jetzt bei diesem Album, weil ich bis auf einen Titel keinen selbst geschrieben habe. Im Amerikanischen brauche ich weniger darauf zu achten, ob der Text zu oberflächlich ist. Im Prinzip ist es da den meisten egal, was du singst. Dann kann es ein total kitschiger, romantischer Liebestext sein und keiner stört sich dran. Es ist komischerweise in Deutschland so, dass du auf Englisch alles singen kannst. Man hört mehr nach der Musik, der Melodie und ob die Stimme dazu passt. Man hängt sich nicht so am Text auf, wie es im Deutschen oft ist.
 
Frage: Da hört man einfach genauer hin und wundert sich, was kommt jetzt?
 
MB: Genau! Da sind die Leute viel kritischer bei einem deutschen Text. Die anderen sagen wiederum: „Das finde ich cool, dass du dich das traust. Das klingt vom Sound nach Nashville. Wir hätten uns gar nicht vorstellen können, dass man das in Deutschland und Österreich so machen kann. Wir haben gedacht, man muss nach Nashville fliegen, um das so hinzukriegen." Das freut mich dann wieder, wenn man solche Stimmen hört.
 
Frage: Hätte es anders geklungen, wenn Sie das Album mit Musikern aus Nashville eingespielt hätten?
 
MB: Nicht wesentlich! Ein Minimum vielleicht. Ich glaube, dass der Spirit, den sie drüben haben, noch ein bisschen anders ist. Da ist es auch wieder so, dass man von bestimmten Sachen musikalisch beeinflusst ist. Bei uns würde vielleicht der Pianist mal eine kleine Blues Note reinhauen, die der Amerikaner an der Stelle vielleicht nicht gemacht hätte. Bestimmte Mechanismen funktionieren vielleicht besser, weil sie jeden Tag mit der gleichen Band und Musikern im Studio stehen. Das ist vielleicht noch mehr aus einem Guss und noch mehr purer Country. Ein großer Unterschied wäre es aber nicht, es gibt auch hier hervorragende Musiker.
 
Frage: Wäre es trotzdem ein Traum mal in Nashville aufzunehmen?
 
MB: Ja klar. Alleine von der Stadt her mit ihrem ganzen Ambiente und besonderem Feeling.
 
Frage: Was man hört, soll es relativ günstig sein?
 
MB: Es geht. Es ist mittlerweile nicht unbedingt billiger, als in Deutschland oder Österreich produzieren zu lassen. Aber ich fliege auch nicht so gerne so lange. Das ist auch mit ein Grund gewesen, weshalb ich es nicht in Nashville produziert habe. Zum anderen hat es sich zu dieser Zeit auch einfach so ergeben. Ich war kurz vorher schwer krank und hatte mich gerade wieder aufgerappelt. Da hat der Manu in Österreich in einem Studio gesagt: „Ja Mensch, machen wir es gleich bei mir.“ Das hat sich so ergeben. Er hat mir total geholfen.
 
Frage: Wie muss man sich denn die Vorgehensweise vorstellen, wenn Sie mit amerikanischen Songwritern zusammenarbeiten?
 
MB: Sie haben mir die Demos geschickt. Größtenteils mittlerweile per E-Mail. Ganz selten ist was per Post gekommen. Es gibt Demos, auf denen nur Gitarre und Gesang drauf sind. Genau so hat es auch Demos gegeben, die fast schon fertig produziert waren. Da geben sie dann 700 oder 800 Dollar aus in Amerika und lassen es im Studio zumindest so weit vorproduzieren, dass es richtig gut klingt. Meistens sind es sehr gute Studiosänger. Aus diesen Demos bekommt man einen guten Eindruck, wie der Song werden soll. Manche sind so gut gewesen, dass man nicht so viel verändern musste. Ein paar haben wir aber komplett neu arrangiert.
 
Frage: Was hat Sie überhaupt zum Country gebracht? Gab es da ein Schlüsselerlebnis?
 
MB: Eigentlich war das AFN. Als ich 16 Jahre alt war, habe ich als Rhythmus-Gitarrist als erstes Mal bei einer Band angefangen. Das war eine reine Hochzeitsband – eine Drei-Mann-Kapelle. Zwischen 16 und 18 habe ich relativ viel Elvis gehört. Seine Songs haben wir dann auch mit der Band gespielt. Ich habe bei AFN damals Sachen wie Alabama gehört, die zu der Zeit in den Charts waren. Diese Richtung hat mich schon mehr beeinflusst, als der old-fashioned Country von Hank Williams oder die alten Sachen von Johnny Cash. Aber was mir gefallen hat, waren diese rockigeren Sachen, die dann rausgekommen sind. Da bin ich immer mehr über AFN-Hören mit der Musik in Verbindung gekommen. Durch Zufall hat sich dann ergeben, dass ich mich bei einer Country-Band als Rhythmus-Gitarrist beworben habe. Die Band hat immer in den NCO-Clubs der hier stationierten Amerikaner gespielt. Wir hatten ein paar Jahre lang komplett nur amerikanisches Programm, größtenteils Charts-Titel. Ab dem Moment hatte ich nur noch mit Country Music zu tun gehabt.
 
Frage: Danach hat es sich einfach im Laufe der Zeit so ausgeprägt?
 
MB: Genau. Dann ist es immer mehr geworden. Die Musik hatte sich unheimlich entwickelt. Durch Leute wie Garth Brooks oder Keith Urban ist die Musik viel offener geworden. Es waren wirklich nicht nur Trucker oder Cowboys, die diese Musik gehört haben, sondern ganz normale Leute, die Pop oder Rock hörten. Aus dieser Ecke sind Rockmusiker gekommen, die früher Rock gemacht haben und dann gemerkt haben, dass man mit Country mehr CDs verkaufen kann als mit Rock. Diese Musiker sind dann umgestiegen. Die Musik ist größtenteils Rock geblieben, aber durch den Einsatz von Steelguitar oder Fiddle lief es unter Country.
 
Frage: Wie sehen Sie Ihre Möglichkeiten mit Ihrem Country-Set live aufzutreten?
 
MB: Sehr schwierig. Bei mir hat es mehrere Gründe. Der eine ist, dass ich als Songwriter und Produzent zeitlich sehr eingespannt bin und mich nicht um dieses Live-Geschäft kümmern kann. Zum anderen ist es so, wenn ich mich selbst darum kümmere, bin ich schon in einer schlechten Ausgangslage. Wenn man den Veranstalter anruft und sagt: „Ich möchte mal“ gibt es so einen Widerstand. Man merkt, die Leute wollen nicht so wirklich etwas Neues, vor allem wenn man im Programm nur eigene Titel spielen will. Bisher waren nur die deutschen, eigenen Titel ein Problem. Jetzt kommen noch ein paar Englische dazu. Mein Ziel ist eigentlich, ein eigenes Programm zu haben. Wenn wirklich ein Wunsch kommt, dass einer mal einen Johnny-Cash-Titel hören will oder ein Cover, dann machen wir das natürlich gerne. Das Ziel ist aber schon, dass wir eigenständig werden mit unserer Band und irgendwann mal ein komplettes Mark-Bender-Programm haben. Veranstalter wollen aber lieber Bands haben, die extrem billig sind und Cover spielen. Das was alle Bands seit 20 Jahren spielen – angefangen bei Country Roads und den ganzen Gassenhauern. Es sind ja gute Lieder, aber es läuft nur das. Es wird immer nur das Gleiche gespielt. Wenn in Amerika etwas Neues herauskommt, dann wird das wieder rauf und runter gespielt. Wir spielen so etwas aber nicht. Doch das erwarten die Veranstalter und zum Teil auch die Leute. Deswegen wären wir besser in der Konzertszene aufgehoben, aber da gibt es im Country-Bereich fast nichts.
 
Frage: Haben Sie das Gefühl, dass die Akzeptanz von Country Music in Deutschland steigt?
 
MB: Ich glaube, da gibt es einen Zwiespalt. Wenn man jemanden, der vorher noch nie Country gehört hat, moderne Platten, wie beispielsweise Brad Paisley oder Garth Brooks, vorspielt, dann sagen 90 Prozent, dass das richtig geile Musik ist und sie das noch nie gehört haben. Wenn man ihnen dann sagt, dass es Country ist, sagen sie: „Das ist Country? Das ist für mich immer Banjo und Lagerfeuer gewesen." Ich glaube, diese Leute werden mehr. Leute, die Pop hören und bisher kein Country gehört haben, bekommen durch diesen modernen Nashville Sound eher einen Bezug. Das wird aber gleichzeitig im Live-Bereich nicht widergespiegelt. Die ganzen großen Konzerte und Festivals, die es früher gegeben hat, sind mittlerweile alle weg vom Fenster. Da gibt es bloß noch ganz wenige, die auch ihre Schwierigkeiten haben. Es gibt eine Tendenz, dass die Leute gern mehr Country hören würden, aber es wird im Radio nicht gespielt und findet auch im Fernsehen nicht statt – das ist der Zwiespalt. Es findet nur auf diesen Country-Festivals statt, die aber immer weniger werden. Die Leute, die es hören wollen, müssen es sich über das Internet anhören.
 
Frage: Wie erreicht man die Leute, wenn die Medien nicht mitziehen? Über Facebook?
 
MB: Ja. Mittlerweile ist Facebook ein Mittel dazu. Ich habe über Facebook in Amerika viele Fans dazu bekommen. Die werden die Platten wahrscheinlich nicht kaufen, aber sie wissen zumindest schon, dass es in Deutschland auch jemanden gibt, der so etwas macht. Ich mache zusätzlich starke Medienarbeit. Ich versuche es schon, über Presse-, Radio- und Fernseh-Promotion ein Level zu erreichen, dass trotzdem ein paar Leute, die noch nie was von mir gehört haben, etwas von meiner Musik mitbekommen. Es ist aber mit einem ziemlich großen Aufwand verbunden. Der Aufwand steht wahrscheinlich nachher in keiner Relation, was man damit reinspielen kann. Es ist dann auch Liebhaberei, wenn man so will.
 
Frage: Was gibt Ihnen die Country Music persönlich?
 
MB: Ich fühle mich da von der Stimmung her am wohlsten. Wenn ich ins Auto steige und irgendeinen Radiosender drin habe, dauert es keine drei Minuten dann lege ich mir eine Country-CD oder etwas wie Zucchero ein. Man kann auch mal was anderes hören. Das ist auch mal ganz nett. Aber ich lande dann immer wieder bei Country. Das ist für mich einfach meine Happy- und Wohlfühlmusik, obwohl manche Titel traurig sind oder eine andere Story haben, aber trotzdem geht es mir einfach gut dabei. Also Brad Paisleys „Whisky Lullaby“ beispielsweise, hat keinen lustigen Text, aber irgendwie habe ich ein gutes Gefühl dabei. Es ist einfach vom Sound her unheimlich gut gemacht. Eine richtig starke Produktion. Das ist auch nicht in allen Musikrichtungen der Fall. Ich bin aber musikalisch offen. Ich höre manchmal Klassik im Auto oder mal Soul. Aber am Ende läuft es dann wieder auf Country oder Country-nahe Musik heraus. Ich bin ein ganz großer Fan von Mark Knopfler. Er ist für mich der Obermeister. Die Stimmungen, die er mit seiner Gitarre, mit seinem Gesang erzeugt - das ist für mich so das Ziel, das man als Interpret erreichen sollte.
 
Frage: Sie haben elf Fremdkompositionen auf dem Album. Nur „1-2-3 (Last Dance In Texas)" haben Sie selbst geschrieben. Haben Sie einen anderen Bezug zu diesem Titel als zu den anderen Songs? Ist das eine ein leibliches Kind und das andere adoptiert. Wie ist das für Sie?
 
MB: Das kann man ungefähr so sagen. Wenn man einen Song selbst schreibt, dann hat man einen viel größeren Bezug. Es gibt mit Sicherheit Titel auf dem Album, die ich vom Text her nicht so geschrieben hätte. Mir ist es einfach um Song und Melodie gegangen. Um das, was der Song rüber bringt. Wenn ich da angefangen hätte, hätte ich die Hälfte ändern müssen oder gleich gar nicht machen dürfen, weil es nicht typisch für Mark Bender ist. Bei eigenen Nummern ist es anders. Du gehst kritischer mit dir um – gerade beim Text.
 
Frage: Ist man vielleicht auch oft zu selbstkritisch mit den eigenen Songs?
 
MB: Ja, genau. Nur im Deutschen ist es wirklich so, dass du die Leute damit wieder konfrontieren musst. Wenn ich einen Text wie „Next To The Moon“ oder „South Of Lonely“ auf Deutsch singen würde, dann wüsste ich sofort, dass einige Freunde kommen und sagen: „Was hast du denn da geschrieben?“ Ich habe bei mir immer den Anspruch gehabt, dass das Lied eine Aussage und eine Story haben soll. Nach Möglichkeit sollte es von fremden Personen handeln. Ganz selten singe ich über mich selbst. Eigentlich singe ich über andere, wie es die Amis größtenteils auch machen. Das findet im Schlager komischerweise fast nie statt. Im Schlager in Deutschland singen die meisten über sich selbst. Jeder ist der Größte und der Tollste. Das kommt da und da aus dem Rohr raus. Ich suche solche Geschichten, wie „Ein Haus am Meer“. Man hat z. B. einen Traum, ein Haus am Meer zu haben. Darüber schreibe ich dann ein Lied.
 
Frage: Welchen Tipp würden Sie einer deutschen Country-Nachwuchsband geben? Was sollte man beherzigen?
 
MB: Ich glaube, je eigenständiger eine junge Band ist, desto besser. Es muss auch nicht unbedingt ein Cowboy-Hut drauf sein. Es kann einfach nur ein cooles Outfit sein. Man sollte nicht nur diese alten Klischees bedienen. Ich bekomme öfter Anfragen von Managern, die dann sagen: „Wir machen jetzt eine Country-Band. Wir brauchen einen Titel." Die erwarten schon dann diese Klischee-Themen über den Trucker oder das Auto. Davon sollte man etwas wegdenken und einfach etwas Modernes, wie New Country, versuchen umzusetzen. Bands wie Lady Antebellum sind auch deshalb erfolgreich, weil sie zwischen Pop und Country schwanken. Da gibt es in Deutschland noch eine Lücke. Ich wüsste jetzt nicht, wer so etwas macht. Je moderner und je cooler das Ganze rüber kommt, desto besser wäre es, glaube ich.
 
Frage: Nervt Sie es persönlich, dass, wenn in Deutschland etwas mit Country im Fernsehen kommt, man immer eine Saloon- und Heuballenkulisse hat?
 
MB: Ein bisschen schon. Man kann sich ja trotzdem was einfallen lassen, was cool ist. Es muss nicht immer der Heuballen sein. Man könnte da mit Licht oder Videoszenen arbeiten und das Ganze moderner gestalten.
 
Frage: Wer ist Ihr All-Time-Favorite aus der Countryszene?
MB: Für die alte Szene sind es Merle Haggard und Johnny Cash. Wobei mir bei Johnny Cash die alten Sachen gar nicht so gut gefallen haben. Er hatte meinen Spirit das erste Mal mit „American Recordings" getroffen. Die fand ich extrem geil. Das war sehr emotional gesungen und richtig amtlich produziert. Das lebt auch von den Emotionen. Von den moderneren Interpreten wäre zum Beispiel Brad Paisley zu nennen. Nach wie vor ist mein Favorit immer noch, obwohl er nicht typisch Country ist, Mark Knopfler. Mark Knopfler ist für mich der Obermeister.
 
Frage: Welchen Song hätten Sie gerne selbst geschrieben?
MB: Eine ganz schwierige Frage. „If Tomorrow Never Comes" von Garth Brooks vielleicht. Der ist schon cool – von der Idee, von der Aussage und wie er komponiert ist. Aber da gibt es sehr viele. Johnny Cashs „Meet Me In Heaven" von den American Recordings singe ich auch live sehr gerne. Das ist ein total schöner Song. Es gibt so viele Lieder, die mir total gefallen, da ist es schwierig einen rauszusuchen. Da müsste ich 10 bis 20 als Top-Lieblingssong angeben. Knopfler hat auf seinen Alben viele Songs, die mir gefallen. „Golden Heart" ist einer der schönsten Titel. Von dem Album habe ich zwei Songs gecovert. Die zählen natürlich auch zu den Lieblingssongs, sonst hätte ich sie nicht gecovert.
Interview: snapshot Redaktionsbüro
Fotos: PR Mark Bender
Weitere Informationen zu Mark Bender und seiner aktuellen Produktion:
www.facebook.com/markbenderband