Interview: Toby Keith - Hat derzeit gut Lachen

Kurz vor der Veröffentlichung seines neuen Albums „Hope On The Rocks“ hatten wir von Country Mag Gelegenheit zu einem Gespräch mit Countrystar Toby Keith über seine neue CD, seine erfolgreiche Karriere und sein durchaus auch gespaltenes Verhältnis zur Country Music Association.
Toby war gut gelaunt und gab ohne Zögern auf alle Fragen ausführliche und ehrliche Antworten. Der Mann hat es geschafft und weiß das auch. Ein Star ohne Allüren, der schon am frühen Morgen amerikanischer Zeit für uns erreichbar war.
 
WM: Du hast den Veröffentlichungstermin für Dein neues Album um 2 Wochen vorverlegt. Warum?
Toby Keith: Die Plattenfirma möchte das neue Album immer so schnell wie möglich veröffentlichen. Wir hatten viele PR Termine in Los Angeles und New York, je 3 Tage pro Stadt. TV Shows wie Jay Leno und weitere Pressetermine. Wir machen das immer so, um die neue CD zu promoten. Wir haben dann gemeinsam entschieden, diese Termine in den Oktober zu legen, um das Album dann ordentlich zu promoten. In Wahrheit wollte ich bloß im November nicht arbeiten ... (lacht)
 
WM: Die erste Single „I Like Girls That Drink Beer“ ist bereits in den Top 20 und steigt noch. Erwartest Du eine weitere Nummer 1?
Toby: Ich erwarte niemals etwas von meinen Singles. Ich verfolge die Charts auch nicht wirklich. Wenn die Singles gut laufen, bin ich glücklich. `Red Solo Cup` war einer der größten Songs der letzten 10 Jahre und wurde leider keine Nummer 1.
 
WM: Wenn es nach den deutschen Countryfans gehen würde, wäre der Song wochenlang an der Spitze der Charts gewesen.
Toby: Danke an Euch. Aber im Ernst, ich hatte ungefähr 29 oder 30 Nummer 1 Hits, je nachdem auf welche Charts man guckt. Doch wirklich wichtig sind die Chartpositionen doch  nur für die Plattenfirmen und das Business. Für uns Musiker ist das nicht viel mehr als ein Schulterklopfen.
 
WM: Das bringt mich gleich zur nächsten Frage. Du hast so viele Hits und Deine Alben gehen fast immer auf Platz 1 in den Hitparaden. Warum ignoriert Dich die CMA bei den Awards? Du hast gerade mal 1 echten CMA Award aus dem Jahr 2005. Mögen die Dich nicht? Oder hast Du jemandem in den Blumengarten gepinkelt?
Toby: Haha haha. Vor ca. 6 oder 7 Jahren habe ich aufgehört, zu den CMA Awards zu gehen. Aber es gibt so viele Award Shows in den USA. Es gibt die CMT Awards, ACM Awards, AMA Awards und so weiter. Ich habe bei allen viele Awards gewonnen. Also habe ich beschlossen, nicht mehr zu den CMAs zu gehen und schon stoppten die, mich zu nominieren. Ich bin damit durch und zu allen kann man eh nicht gehen.
 
WM: In diesem Jahr bist Du aber wieder für einen CMA Award nominiert. Für das Video zu „Red Solo Cup“...
Toby:  Ja, das erste Mal in 7 Jahren. Doch ich denke, dass die Stimmen hauptsächlich von den unabhängigen Mitgliedern der CMA kommen, weil „Red Solo Cup“ einfach so ein großer Erfolg war, dass die Leute nicht daran vorbeikommen. Doch wirklich interessieren tut mich das nicht. Das bedeutet aber nicht, dass ich hingehe.
 
WM: Du wirst nicht zu den CMAs gehen, trotz der Nominierung?
Toby: Definitiv nicht!
 
WM: Du bist so ein beschäftigter Geschäftsmann neben der Musik. Du hast eine eigene Schallplattenfirma, bist Restaurantbesitzer und so vieles mehr. Dazu natürlich Musiker, Songschreiber und Sänger. Wie passt das alles unter einen Hut? Hast Du überhaupt noch Zeit für ein Privatleben?
Toby: Es ist ja nicht so, dass ich die Firmen alle selbst betreiben muss. Wenn jemand mit einer guten Idee zu mir kommt und ich davon überzeugt bin, dass das Geschäft zu mir passt und von professionellen Leuten betrieben wird, dann gebe ich gerne meinen Namen. Ich manage die Firmen ja nicht persönlich. Es gibt mittlerweile ja auch 15 „Toby Keith I Love This Bar & Grill“ Restaurants, die von verschiedenen Managern betrieben werden.
 
WM: Also gehst Du nicht jeden Morgen mit Deinem schwarzen Koffer in ein Büro in Nashville?
Toby: Ich besitze ein 3-stöckiges Bürogebäude in Nashville. Dort sitzt mein Management, unsere Plattenfirma Show Dog. Ich habe nicht einmal ein eigenes Büro in dem Gebäude. Seit der Eröffnung vor ein sieben Jahren war ich vielleicht drei bis vier Mal da.
 
WM: Bislang kenne ich nur die neue Single der CD „Hope On The Rocks“. Die anderen Songs sind für uns noch nicht erschienen. Erzähl uns ein wenig zu ein paar Songs.
Toby: „Hope On The Rocks“, den Titelsong des neuen Albums, hatte ich schon vor unserem letzten Album komponiert. Wir hatten aber schon drei Singles von der letzten CD geplant und wirklich mehr machen keinen Sinn. So beschloss ich, den Song für dieses Album zurückzuhalten. „Hope On The Rocks“ wird die nächste Single und ich freue mich schon darauf.
 
WM: Letztes Jahr hast Du ja ein paar Konzerte in Deutschland gegeben. Es waren tolle Shows in Köln oder auch Berlin. Wie hast Du die Konzerte erlebt? Kommst Du bald mal wieder?
Toby: Wir kommen ja so ungefähr alle zwei Jahre nach Europa und hatten letztes Jahr Deutschland auch mit auf dem Tourplan. Das lief sehr gut und so werden wir bei der nächsten Europatour auf alle Fälle Deutschland auch wieder mit einplanen.
 
WM: Das hören wir Fans natürlich sehr gerne. Danke Toby.
In Berlin gab es seit 20 Jahren kein Countrykonzert von solcher Güte, das ausverkauft war.
Also hoffen wir alle, dass Du bald wieder kommst.
Toby: Danke Kai. Darauf könnt ihr wetten. Ich habe auch ein neues Lieblingsbier gefunden. Augustiner. Ich wünschte, ich hätte jetzt ein Augustiner hier.
WM: Bei Dir ist es ja gerade früher Morgen. Aber es ist 5 O`Clock Somewhere – nämlich hier. Ich denke, ich bin näher am ersten Bier als Du...
Toby: Da hast Du vollkommen Recht. (lacht)
 
WM: Neben Deinen regulären Konzerten spielst Du ja auch öfter kleine Club-Konzerte mit der Band Incognito Bandito. Woher kam die Idee?
Toby: Die Idee entstand, weil die Session-Musiker aus Nashville und ich nicht oft die Gelegenheit haben, auch mal live zusammen zu jammen. Also haben wir die Band Incognito Bandito gegründet und haben viel Spaß bei den Shows. Wir können neue Songs ausprobieren und spielen sehr viele Coversongs, die wir nicht oft spielen können, weil auf meinen Konzerten natürlich meine eigenen Hits von mir erwartet werden.
 
WM: Ist das evtl. auch mal eine Idee für Europa? Oder wäre das zu teuer?
Toby: Incognito Bandito ist einfach ein Spaßprojekt. Ich bezahle die Jungs für die Konzerte und nutze einige Songs, um sie als Bonustracks auf meine CDs zu nehmen. Es ist nicht wirklich dazu gedacht, Geld damit zu verdienen. Für uns Musiker ist das einfach purer Spaß und oftmals kommen auch tolle Coverversionen dabei raus.
 
WM: Wir Fans freuen uns auch regelmäßig über diese tollen Bonussongs.
Auch die neue CD „Hope On The Rocks“ erscheint in zwei verschiedenen Versionen. Zum einen die reine CD mit 10 Songs und dann die Deluxe Version mit einigen Bonustracks. Erzähl uns ein wenig über die zusätzlichen Songs. Z. B. gibt es „Red Solo Cup“ in einem Mix. Was erwartet uns?
Toby: Es ist hier in den USA oft so, dass ein großer Handelsriese gerne eine besondere Version der CDs hätte, um etwas anderes anbieten zu können, als die Konkurrenz. So kommt das zustande.
Die Mixe kommen zustande, weil erfolgreiche Hits, wie z. B. „Red Solo Cup“, auch in Bars und Music Clubs in Las Vegas oder New York nachgefragt werden. Doch dort möchten die DJs gerne ihre eigenen Remixes spielen, doch Country soll es halt nicht sein. Deswegen gibt es von „Red Solo Cup“ und „Beers Ago“ solche Clubversionen auf dem neuen Album. So können die Discjockeys die Songs in ihr normales Programm aufnehmen und die Leute finden das toll. Die beiden anderen Bonussongs sind Live-Aufnahmen, die bei Konzerten im letzten Jahr mitgeschnitten wurden und einfach ganz toll rüberkommen. Da wollten wir sie nicht einfach in der Schublade verkommen lassen und haben beschlossen, die Titel mit auf das neue Album zu nehmen.
 
WM: Das hört sich cool an. Du hast auch als Schauspieler in der Vergangenheit eine kleinere Karriere gestartet. Gibt es Pläne in diese Richtung?
Toby: Nein, derzeit ist da nichts geplant. Ich versuche mich voll auf das Songschreiben und Singen zu konzentrieren. Die Schauspielerei nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. So dauerten die Produktionen in der Vergangenheit zwischen 3 Monate für „Broken Bridges“ und ganze 10 Monate für „Beer For My Horses“. Das ist doch eine lange Zeit, in der man sich kaum auf Musik konzentrieren kann, und dann schlaucht die Schauspielerei auch unheimlich.
 
WM: Anfang der 90er, als Deine Karriere startete, wurdest Du mit zwei weiteren Künstlern gemeinsam von Eurer Plattenfirma präsentiert. Das waren Shania Twain und John Brannen neben Dir. Heute ist Shania schon halbwegs in Pension und von John Brannen spricht niemand mehr. Aus heutiger Sicht – war die Marketingidee, Euch zusammen zu promoten, die richtige Entscheidung?
Toby: Absolut! Der Grund für diese ungewöhnliche Situation damals war das begrenzte Budget der Plattenfirma. In der Plattenfirma waren damals drei verschiedene Leute, die jeweils für einen von uns dreien gekämpft haben. Der Präsident der Firma wollte Shania, ein anderer wollte John Brannen und der Vize-Präsident der Firma wollte mich promoten. Der Präsident war ein echter Schreibtischtäter und der Vize Präsident war auch der Kopf der Kreativabteilung. Also haben sich die beiden nach langen Diskussionen darauf geeinigt, uns  alle drei mit einer Band auf Promotour zu schicken und jeweils eine erste Single in zwei Wochen zu veröffentlichen. Ich hatte das Glück, dass „Should`ve Been A Cowboy“ abging wie eine Rakete.
 
WM: Ja, geradewegs auf Nummer 1.
Toby: Das stimmt.
 
WM: Nun bist Du ja schon seit gut 20 Jahren im Business. Was denkst Du? Super Business - oder gibt es auch eine Menge unerfreulicher Dinge?
Toby: Dieses Business ist absolut wunderbar, wenn es um die reine Musik geht. Also Konzerte und Fans und so – einfach super. Aber natürlich ist nicht alles so toll. Die Politik im Hintergrund, die Geschäftemacherei und so etwas, das nervt. Doch die Konzerte jeden Abend sind unschlagbar spitze.
 
WM: Vielen Dank für das Gespräch Toby.
Toby: Danke Dir und grüße alle deutschen Countryfans von mir
 
Mittlerweile ist „Hope On The Rocks“ erschienen, ja sogar zeitgleich in den USA und Deutschland. Die erste Single „I Like Girls That Drink Beer“ wurde zum Top 20 Hit in den USA und ist in den deutschen Country Music Airplay Charts vom 15. Oktober bis auf Platz 3 gestiegen. Toby Keith ist also ungebrochen beliebt bei uns. Wir freuen uns auf die nächste Single, den Titelsong der neuen CD „Hope On The Rocks“, und können Toby Keith zum CMA Award 2012 für das Video des Jahres gratulieren. Nach 2005 endlich mal wieder ein CMA Award für Toby Keith, auch wenn er ihn wie angekündigt nicht persönlich entgegengenommen hat.
Ein Mann mit Prinzipien!
Kai Ulatowski
Fotos: Show Dog Records, Universal Music, Keith McLaren
 
 
aktuelle CD:
Toby Keith
„Hope On The Rocks“
Show Dog Universal Music
Katalog-Nr: 0 6025 37720609 4