Hillbilly Deluxe: More Bang for the Buck

Bereits ihr zweites Werk legt diese Kölner Band nun vor. Mittlerweile eine feste Größe der deutschen Countryszene, bekannt für echte, unverfälschte und handgemachte Musik. Nicht nur deshalb verdient der aktuelle Preisträger des deutschen Countrypreises für "Gruppe des Jahres" ein genaueres hinhören. Die CD ist durchweg erdiger und rauher als der Vorgänger, mir fallen Wörter ein wie Red Dirt, Americana und Roots Music.
Der rockige Opener und Titelsong "More Bang for the Buck" besticht durch eine blues-durchtränkte Gitarre, die ich irgendwo zwischen Bonnie Raitt und ZZ Top einordnen würde. Und der Song rockt so richtig schön nach vorne.
In "Down to Nashville" zieht es einen Musiker vom Land, vielleicht sogar aus Muskogee, nach Music City, um seinen Traum einer Karriere wahr zu machen. Eine herrliche Steeguitar trifft auf eine fein gespielte Dobro. Diese beiden Instrumente sollte unser Okie jedoch nicht nutzen, wenn er wirklich Geld nach Hause schicken will, in Nashville steht man auf solche Country-Instrumente nicht.
Ein weiterer Zeitgenosse, nämlich der "Good Man", empfängt uns dann etwas ruhiger mit einer glasklaren Acoustic Guitar, der sein völlig normales Leben als Landei mit kaputtem Pick Up, sonntäglichen Kirchgängen, echter ehrlicher Arbeit und wahrer treuer Liebe für sein Mädel liebt.
Mit "The Coward" hören wir einen echten Honky Tonker und die eingangs erwähnte rootsige Gitarre kann auch wunderbar twangen! Die wiederum feine Dobro unterstreicht das Gitarrenspiel in perfekter Weise. Message des Songs: Sei ein Mann und stehe dazu, Feiglinge sind doof.
Der "Blacktop Highway" begrüßt uns mit einer technisch veränderten Stimme, die uns der Illusion hingibt, wir hören ein altes Autoradio, dem der (wahrscheinlich einsame) Fahrer lauscht. Musikalisch top mit groovenden Drums, sachtem Banjo und jener bluesigen rot-schmutzigen Gitarre nimmt uns die Band mit auf diesen Blacktop Highway.
Beim "Mothertrucker" twangt sich die Gitarre wieder fröhlich durch den Song, das Harp-Solo ist klasse, Dobro und Honky Tonk Piano runden diesen Song ab, textlich höre ich da ein paar Zweideutigkeiten heraus, coole Lyrics. That's Country.
Dass auch Trommler singen können, wissen wir seit Phil Collins und so  hören wir in "How Long" also Kayem einen sehr guten Job machen, musikalisch wird das Tempo nun ein wenig herausgenommen. Es wird gefragt, wie lange die Dame noch weinen wird, es kommen doch wieder bessere Zeiten, im Moment tut's halt weh. Diese Lebenssituation wird fast jeder kennen, ein Song aus dem Leben, solche Texte machen Country Music aus.
In "Strong as a Stallion" erinnert sich der verantwortungsvolle, beruflich erfolgreiche Familienvater, was er doch früher für ein wilder und freier Hengst war. Irgendwas fehlt halt trotz dem perfekten Leben. Toll instrumentiert, herrliche Mandoline.
Wie der Name schon vermuten lässt ist Hank eine Hommage and Hank (Senior natürlich). Originell die Tonarmnadel, die man am Anfang aufsetzen hört, auch die Stimme ist technisch auf alt getrimmt, der Text strotzt vor Hanks Songtiteln und musikalisch kommt man den Drifting Cowboys sehr nahe. Herrlich gespielte Steelguitar, und Don Helms im Hillbilly Heaven da oben hat mit seinen Kumpels von den Drifting Cowboys bestimmt seine Freude. Der Song verbreitet eine tolle Stimmung.
Ob man sich gerade betrinken muss, bis man blind ("Drink 'til I'm blind)" ist, mag dahin gestellt sein, aber ab und zu mal richtig Gas geben und Dampf ablassen, um die Sorgen zu vergessen, ist eine Technik, die ich sehr gut nachvollziehen kann und die ich auch hin und wieder anwende. Ein im Text ebenfalls genanntes natürliches Unkraut/Genussmittel in grüner Farbe allerdings erinnert mich an folgende Weisheit: Don't use drugs, get high on Life !
Bereits von der ersten CD  kennen wir "Left her behind", hier nun anders instrumentiert und ohne weibliche Backgroundstimme. Die neue Version klingt mehr bluesig, die wiederum perfekt gespielte fette Steelguitar rundet auch diesen Song so richtig gut ab. Der Text ist bekannt, er verlässt eine super Frau, attraktiv und charakterlich einwandfrei einfach so ohne Erklärung und ohne Good Bye.
"Givin' Up, Givin' In", der letzte Song der CD, zeigt schön die musikalische Vielseitigkeit und Virtuosität der Band, wieder dieses bluesige Rootsfeeling, dann eine typisch twangende E-Gitarre und gerade so viel Dobro, dass es ein Countrysong bleibt.
Die Jungs legen also eine CD vor, die von der Produktion her keinerlei Vergleich scheuen muss und die Qualität der Musiker ist beachtlich. Die Songs sind sehr eingängig und es lohnt sich hinzuhören! 7 Songs entstanden übrigens als Zusammenarbeit von Guido Lehmann mit der in Deutschland lebenden US-Amerikanerin Leslie Morgan, deren Formation Miss Behavin' vielen bekannt sein dürfte. Das ist schon geballte Songwriterkraft.
Die CD ist absolut hörenswert, bei einigen Songs kommt eine andere Auffassung von Country Music durch, mit der ich durchaus etwas anfangen kann. Und mit knapp 44 Minuten Spielzeit gibt es tatsächlich mehr Rumms für die Kohle!
Ich freue mich schon auf die CD Release Party am Samstag, 26.10. in Pulheim.                                                  
Ralf Richter, Köln