Buch: Manuela – Das Mädchen mit der Träne in der Stimme

Die 2001 verstorbene Berliner Sängerin Manuela wird üblicherweise dem Schlager-Genre zugerechnet. Sicherlich ist dies eine zumindest halbwegs treffende Bezeichnung. Aber Manuela besang nicht nur Schlagerplatten. Sie coverte auch manchen bekannten Country-Song; so wurde aus „On Top of Old Smokey“ ihr 1963er Riesenhit „Ich geh‘ noch zur Schule“, aus dem „L. A. International Airport“ entstand „Jedes Herz braucht eine Heimat“, und aus dem „Happiest Girl in the Whole USA“ erwuchs „Das glücklichste Mädchen“. Das Ganze gipfelte Ende der siebziger Jahre in der kompletten LP „I Want to Be a Cowboy’s Sweetheart“, mit englisch gesungenen Country-Songs. Und auf ihrer LP „Manuela ‘80“ gab es u. a. den Titel „Er sang für mich in Nashville zur Gitarre“. Also jede Menge Spuren, die zumindest ansatzweise in Richtung Music City deuteten. Der Autor stand damals in engem Kontakt zur Sängerin, und befasst sich in etwas verschachtelter Form mit Manuelas Leben und ihrer Karriere. Er beschreibt seine Zeit mit ihr, und bindet hierfür auch Manuelas eigene Aufzeichnungen mit ein. Da dieses Buch als Roman deklariert wird, mag man darüber spekulieren, ob alles tatsächlich genauso geschah, oder ob hier die künstlerische Freiheit für Bereicherung sorgt. Die Schilderung einiger intimer Details wird vor allem unter den Fans der Sängerin sicherlich für Diskussionen sorgen. Manchen bekannten Bezeichnungen spendierte der Autor leichte Abänderungen, um – wie im Falle des damals aufsehenerregenden Skandals um Bestechungsgelder im TV – betroffene Institutionen nicht zu direkt nennen zu müssen. Andere angesprochene Darstellungen wecken umgehend das Mitgefühl mit Manuela, da sie anscheinend häufig besonders in finanziellen Dingen völlig falsch beraten wurde. Einen Bildteil such man im Buch vergeblich, doch dafür enthält der Anhang eine ausführliche Aufstellung aller von Manuela veröffentlichten Tonträger, seien es Singles, LPs, Cassetten, oder CDs.

Ulrich K. Baues