Buch: Der Gerechte (Roman)

Liest man die Einleitung, denkt man unwillkürlich an Michael Connellys Roman „Lincoln Lawyer““ aus dem Jahre 2010, der in Deutschland unter dem Titel „Der Mandant“ erschien, und kurz darauf auch mit u. a. Trace Adkins verfilmt wurde (s. Western Mail Februar 2012). Statt des Lincoln gibt es jetzt allerdings einen bestens ausgestatteten Van. Der Fahrer wird hier „Partner“ gerufen. Anwalt Sebastian Rudd übernimmt – gegen entsprechendes Salär – hauptsächlich die ganz aussichtslosen Fälle. Er lebt von Frau und Kind getrennt, und befindet sich im realen Kriegszustand mit seiner Ex, die ebenfalls Anwältin ist. Seine Kunden sind nicht unbedingt jene, die zu Unrecht einsitzen. Rudd legt sich aber gerne mit der Polizei an, wo immer es sich eine Gelegenheit bietet, und dies fußt auf Gründen, die in seiner Vergangenheit liegen. Mit besonderer Vehemenz geht er gegen die Staatsmacht vor, wenn deren unrechtes Tun offensichtlich ist, wie im Falle eines Polizeieinsatzes gegen friedliche Bewohner eines Hauses, was sich als tödlicher Irrtum herausstellt. Danach wird seitens der Behörden Vertuschung betrieben, und sogar der zu Unrecht Überfallene als Täter gebrandmarkt. Doch Rudd setzt alles daran, dies aufzudecken. Die Aufträge sind allerdings nicht grundsätzlich von Erfolg gekrönt, manchen Mandanten kann er letztendlich nicht helfen, und beim Lesen wird man sich darüber auch nicht ärgern. Nach eigenen Aussagen kreierte Grisham mit der Gestalt des Sebastian Rudd so etwas wie eine Serienfigur, will heißen, er wird uns in kommenden Romanen noch einige Male begegnen.

Ulrich K. Baues