Buch: Der Dorfelvis – Wie er Fats Domino den Arsch rettete und Chuck Berry in Unterhosen sah

Es gibt sie ja noch, die guten und bekannten Rock’nRoll-Bands, die auf den unterschiedlichsten Veranstaltungen zu sehen und zu hören sind. Manche singen in Deutsch, die meisten singen in Englisch, und einige wenige führen dabei überwiegend selbst geschriebenes Material im Repertoire. Für Boppin‘ B aus Aschaffenburg trifft dies alles zu. Autor Markus Gleim stand mit dieser Formation von 1990 bis 1995 als Sänger auf der Bühne, bis er aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Er erzählt in diesem Buch allerdings weniger die Geschichte von Boppin‘ B, als seine eigene. Und diese beginnt in Aschaffenburg, windet sich über Inter-Rail-Touren durch Europa, und wieder zurück. Seine Sprache ist manchmal etwas drastisch, doch stets mit lustigen Anmerkungen verquickt. So manches Mal kann man sich bei der Lektüre lautes Lachen nicht verkneifen. Jede/r Leser/in ab einem gewissen Alter wird z. B. die hier geschilderten Erfahrungen im Umgang mit Mitmenschen welcher Nationalität auch immer aus eigenem Erleben bestätigen können. Markus Gleim beschreibt daneben aber auch seinen musikalischen Werdegang, führt den Leser in die Rock & Roll-Szene der achtziger und neunziger Jahre ein, und schildert seinen Einstieg bei Boppin‘ B. Hierbei verfasst er natürlich auch einen Teil der Bandhistorie mit. Jener verhängnisvolle Motorradunfall, der ihn letztendlich zum Verlassen des Quintetts zwang, kommt natürlich vor, ebenso sein Unverständnis über die späten Termine und Ergebnisse seiner Gerichtsprozesse. Aber der Autor bietet noch mehr. Er berichtet über das Dasein als Mitglied einer Tourneeband mit sämtlichen Höhen und Tiefen, wie man untergebracht wird, worauf man zu achten hat, was die GEMA eigentlich so treibt, uvm. Selbstverständlich gibt es nicht nur negative Dinge, sondern auch Glanzpunkte, so wie die im Untertitel bereits angeführten Begegnungen mit Stars wie Chuck Berry oder Fats Domino. Hiervon zeugen die leider nur kleinen Farbfotos, die auf lediglich zwei Seiten in der Buchmitte eingefügt wurden. Und auch bevor man sich als Musiker ins Profiabenteuer stürzt, sollte man sich diese authentischen, locker beschriebenen Erkenntnisse unbedingt zu Gemüte führen.

Ulrich K. Baues