ULLI MÖHRING - GEKÄMPFT, GEHOFFT UND DOCH VERLOREN

EIN NACHRUF:

Mit Ulli Möhring hat die Deutsche Country-Szene einen ihrer Protagonisten verloren, der sie zugleich eindrucksvoll mitgestaltet hat. Auch wenn vielleicht nicht jeder sofort mit seinem Namen etwas anzufangen weiß, seine Projekte sind dennoch jedem, der sich speziell in der norddeutschen Country Szene bewegt hat, ein Begriff.
Wer Ulli kannte, wird sich an einen Mann erinnern, der von unglaublich mitreißender Kreativität getrieben, ständig nach neuen Herausforderungen suchte und ständig daran arbeitete, seine Träume wirklich werden zu lassen. Es war ein Mann, der das Leben liebte, das Abenteuer und die Menschen. Jeder wird sich an seine freundliche, sozial kompetente und verbindliche Art erinnern. Für jeden und für alles war Ulli erreichbar, hatte stets ein offenes Ohr und immer die richten Worte parat. Unzählige Kollegen wissen ihn zudem seiner extremen Hilfsbereitschaft und Kollegialität wegen zu schätzen. Dass er zugleich ein hervorragender Musiker war, bedarf hier keiner weiteren Erwähnung. Auch ich schätze mich glücklich, über Jahrzehnte zu seinen Freunden gezählt zu haben. Deshalb möchte ich hier noch einmal einen kleinen Blick auf das Leben von Ulli Möhring werfen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Das ist bei einem Menschen, der so umtriebig war wie er, einfach nicht möglich.
Als Ulli am 7. Oktober 1956 das Licht der Welt erblickte, war noch nicht abzusehen, was einmal aus ihm werden würde. Obwohl schon als Kind eine unübersehbare Leidenschaft für die Musik erkennbar war, studierte er nach der Schule erst einmal Soziologie und Psychologie. Doch schon zu dieser Zeit stand die Musik bei ihm im Vordergrund und er träumte von einer Karriere als Musiker. Sein Studium, das er 1982 erfolgreich als Soziologe abschloss, führte ihn auch für eine Weile nach Texas. In dieser Zeit machte er auch seine ersten "öffentlichen Gehversuche" als Musiker mit einem Duo, das sich "Schroeder Goes Country" nannte. Während dieses eher den lokalen Insidern ein Begriff war, war sein nächster Schritt bereits weitaus spektakulärer. 1976 schloss er sich als Gitarrist einer Gruppe an, die sich anschickte, vom Emsland aus die deutsche Country-Szene umzukrempeln, den EMSLAND HILLBILLIES um Hermann Lammers Meyer (Hermann the German). Gleichzeitig gründete er in Texas die Band "TEXAS LONE STAR". Die folgenden zehn Jahre ließen ihn reifen, als Live- und Studiomusiker ebenso wie als begehrter Songwriter. (Das Schreiben von Songs war schon immer eine seiner größten Leidenschaften, er wurde sogar Mitglied der  "Nashville Songwriters Association" .) Um diese beiden Bands, später kam auch die Truppe von Clay Blaker noch hinzu, entwickelte sich geradezu so etwas wie eine eigene Sub-Szene, die auf unzählige beindruckende und spektakuläre Konzerte und Auszeichnungen zurückblicken kann und deren Gefolgschaft stetig wuchs. In Deutschland wie auch in den USA. Die LPs der Bands aus dieser Zeit (zum Teil von Achim Reichel produziert), zählen noch heute zu den eindrucksvollsten Country-Produktionen aus Deutschland.
1986 verließ Ulli die EMSLAND HILLBILLIES wieder und wandte sich neuen, nun eigenen Zielen zu. Die zurückliegende Zeit bei der Band machte er zum Thema eines Buches, das er danach schrieb. "Unterwegs" (Untertitel: Zwischen Houston / Texas und Aschendorf / Ems). Doch nicht nur die Erinnerungen und Erfahrungen bei der Band nahm er mit, sondern auch gleich noch deren Sängerin Marion Lammers Meyer, die Schwester des Bandleaders Hermann. Zu Pfingsten 1986 heirateten die beiden im legendären Lindenhof in Neusüdende.



Was nun folgte, war die wohl musikalisch kreativste Zeit im Leben Ulli Möhrings. Er gründete seine eigene Produktionsfirma, die "TLS Musik Produktion,“ und stellte gemeinsam mit seiner Frau sehr erfolgreiche Projekte auf die Beine, wie das Duo "SIDEKICKS" und vor allem die Band "AUTUMN LEAVES. Mit dieser Band feierte er große Erfolge, errang eine Auszeichnung nach der anderen und durfte beim "Ball des Sports" sogar vor dem Bundespräsidenten und dem Bundeskanzler spielen. Die Erfolge kannten bis Mitte der 90er Jahre so gut wie keine Grenzen. Die Fans in Deutschland, Holland, England und sogar in Norwegen lagen ihnen zu Füßen und sie wurden mit Auszeichnungen überhäuft. In Norwegen wurde sogar die Inbetriebnahme des "ICE“ der Staatsbahn mit dem passenden Song "ICE-Intercity Express“ aus der Feder Ullis vorgetragen und von der Band begleitet.
Ulli war dort angekommen, wovon er geträumt hatte, er gehörte zur Elite der europäischen Country-Szene. Noch heute sehen nicht wenige Freunde dieser Musik in AUTUMN LEAVES die schlichtweg beste deutsche Band der 90er.
Nebenher schuf er einen Gitarrenkursus, den er auf Kassetten vertrieb, organisierte Konzerte, rief karitative Projekte ins Leben, arbeitete als Trainer in der Unternehmensberatung und wurde schließlich selbstständiger Firmenteilhaber. Der Mut und die Risikobereitschaft, mit der Ulli sich stets über alle eventuellen Vorbehalte hinwegsetzte, waren beeindruckend. Nicht nur beruflich, auch privat ging er ohne zu zögern an seine Grenzen. Das zeigte sich auch in seinen Hobbys, die auch das Weltenbummeln, das Fallschirmspringen, das Schreiben von Computerprogrammen und vieles mehr umfassten.
Doch der ganz große Erfolg wollte einfach nicht Fuß fassen. Ende der 90er begann für ihn eine ungewohnte Phase mit zahlreichen persönlichen Schlägen. Zuerst fiel sein Leben, seine  Band, auseinander und löste sich auf. Aufgelöst wurde auch die Ehe von Ulli und Marion und als wäre das alles noch nicht genug, scheiterte auch noch seine Unternehmensbeteiligung und riss ihn in einen nahezu ruinösen Strudel.
Ulli konzentrierte sich nun immer mehr auf die Tätigkeiten als Motivationstrainer. Das half ihm zugleich, seine eigenen Probleme zu bewältigen. Seine Texte, die er weiter schrieb, nahmen immer mehr autobiografische Züge an, deuteten immer mehr auf die Elemente seiner Lebenskrise hin. Seine öffentlichen Auftritte wurden zunehmend Gratwanderungen mit gelegentlich esoterischen Eindrücken, was nicht wenige in der Country-Szene ein wenig verschreckte.
Zur Jahrtausendwende brachte er nach längerer Zeit wieder ein neues Album heraus. Es trug den Titel "Wieder ich!", war den "Gesetzen des Lebens" gewidmet und sollte den Hörern mentale Hilfen bieten bei der Bewältigung eigener Krisen. Die CD verkaufte er bevorzugt bei seinen Vorträgen als Motivationstrainer seiner neuen Firma, die er zugleich gegründet hatte, "PRO MOTIVATION".
Es war offensichtlich, Ulli hatte sich selbst wieder selbst aus dem Loch gezogen, in das er gefallen war, fühlte nach ein paar weiteren sehr privaten Schicksalsschlägen wieder Mut und Kraft und ging das neue Leben wie gewohnt kreativ an. Neue Projekte und CDs folgten, darunter ein wunderschönes Doppelalbum, das den Titel "Memories" trägt und beeindruckend sein bisheriges musikalisches Leben präsentierte. Er selbst präsentierte sich nun wieder regelmäßig in der Musik-Szene, etwa auf den COUNTRY MUSIC MESSEN, arbeitete wieder mit Kollegen zusammen, wie etwa das vielbeachtete Duett mit Katie Grant und weiteren. Die Musik hatte ihn wieder voll in ihrem Griff.
Ende 2004 bereiste er wieder die zweite Geburtsstätte seiner früheren Erfolge, Austin / Texas. Mit Top-Musikern nahm er dort die Playbacks für seine nächste CD "Leben" auf. Doch deren Fertigstellung verzögerte sich, da er zwischendurch von einer schweren Stimmband-Entzündung heimgesucht wurde, die eine aufwändige Therapie erforderlich machte.
Und noch einmal brachte er eine CD heraus, die sehr „emotionsbeladen“ auf seine Motivationstätigkeit zugeschnitten war und bei seinen Seminaren verkauft wurde: T.U.N. "Tag und Nacht“, sowie ein paar kleinere Projekte, wie eine Vereins-CD für den VFB Oldenburg 1887.
Er strotzte wieder geradezu vor Ideen und Tatendrang, als das Schicksal erneut zuschlug. Wie wir jetzt wissen, mit endgültiger Brachialgewalt. Es nahm seinen Anfang, als vor wenigen Jahren bei ihm eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde. Doch Ulli wäre nicht Ulli gewesen, hätte ihn das aus der Bahn geworfen.
Nach dem ersten Schock machte er weiter, arbeitete selbstzerstörerisch weiter. Er ertrug geduldig die nötigen Therapien, ließ seine Fans an seinem Schicksal teilhaben via Facebook und machte sich wieder an neue Projekte. Sein letztes war eine Gitarrenschule, die via Internet interaktiv verbreitet werden sollte. Er baute sich ein modernes TV-Studio und setzte Lektion für Lektion für jedermann verständlich in Bild und Ton um. Doch die Krankheit forderte zunehmend ihren Tribut und so konnte er dieses Projekt nicht mehr zum Ende bringen. Plötzlich ging alles ganz schnell. Noch in der letzten Woche schrieb er auf seiner Facebook-Seite: "Die Schulmedizin sei nun am Ende, aber aufgeben würde er nicht". Diese Entscheidung wurde ihm nun abgenommen. Seit Freitag, den 26. Juni 2015 müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass Ulli den Kampf für immer verloren hat.
Was bleibt ist die Erinnerung an einen ehrlichen und gradlinigen Menschen, der mit seiner Art und seiner Zuversicht, seinem unbeirrbaren Lebensmut für viele Menschen Vorbild und Halt war. Und die Erinnerungen an all die schönen Momente, die er uns über Jahre bescherte. Sie bleiben uns allen unvergessen und leben in seinen Songs weiter! Ulli, ruhe in Frieden, wir werden Dich vermissen!
Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die mit ihm einen guten Freund uns Bekannten verloren haben.

Peter - Uwe Wien