The Ryman Auditorium - Motherchurch Of Country Music

Grand Ole Opry, die Radioshow, die die Country Music berühmt machte. So der Slogan dieser Radiosendung. Seit der ersten Ausstrahlung am 28. November 1925, damals noch unter dem Namen WSM Barndance, aus dem 5. Stock des Gebäudes der National Life & Accident  Insurance Company in Downtown Nashville, musste die Show oftmals ihren Sitz wechseln. Am 5. Juni 1943 wurde ihre neue Heimat das Ryman Auditorium in der 5th Avenue North in Nashville, Tennessee.

Erbaut durch den Geschäftsmann und Flussschiffkapitän Thomas Ryman (1843-1904) eröffnete das Ryman im Jahr 1892 seine Türen. Damals als Kirche unter dem Namen Union Gospel Tabernacle. Nach dem Tode von Thomas Ryman wurde es ihm zu Ehren in Ryman Auditorium umbenannt. Eine schöne Statue, die den Erbauer am Ruder eines Flussdampfers zeigt, steht direkt hinter dem Gebäude.

Seit  Juni 1943 hatten viele Größen der Country Music hier ihre musikalische Heimat. Hank Williams, Roy Acuff, Ernest Tubb, Hank Snow, Norma Jean, Porter Wagoner, Grandpa Jones, Minnie Pearl und viele mehr konnte man hier erleben. Am 2. Oktober 1954 hatte ein gewisser Nachwuchssänger namens Elvis Presley hier seinen ersten und einzigen Auftritt. In den Jahren 1968-1973 wurden im Ryman die Preise der Country Music Association verliehen. Vom 1969 - 1971 wurde  die Johnny Cash TV-Show aufgezeichnet. Auch in diversen Spielfilmen spielte das Ryman eine Rolle. Zu sehen ist es in Robert Altmans Nashville von 1975 mit Ned Beatty und Karen Black. Ein Supertyp haut auf die Pauke, ebenfalls aus dem Jahre 1975 mit Burt Reynolds und Jerry Reed, Nashville Lady mit Sissy Spacek als Loretta Lynn und Tommy Lee Jones, Honkytonk Man mit Clint Eastwood als gescheiterter Country Sänger und Marty Robbins in einer Nebenrolle und in Sweet Dreams, der Lebensgeschichte von Patsy Cline. Unzählige Life-Alben wurden hier eingespielt. Unter anderem Josh Turners Live At The Ryman aus dem Jahre 2007 und Marty Stuart And His Fabulous Superlatives mit gleichem Titel von 2003. Nicht zu vergessen The Johnny Cash Show. Ein großartiges Album mit Songs aus seiner Fernsehshow, aufgenommen am 10. Juli 1970 im Ryman. Alle drei Alben geben die einmalige Konzertatmosphäre wieder, wie sie nur im Ryman Auditorium entstehen kann.

Bald wurde das Gebäude zu klein für die Zuschauermassen. Es wurde ein neues, größeres und moderneres Gebäude vor den Toren Nashvilles gebaut. Im Jahr 1974 zog die Grand Ole Opry Radio Show vom Ryman Auditorium ins neue Gebäude. Ein kreisrundes Stück der alten Bühne wurde in die neue Bühne eingelassen. So wurde ein Stück Geschichte in das neue Gebäude transferiert. Das Alte Ryman geriet bald in Vergessenheit und war dem Verfall preisgegeben. Touristen blieben aus und am unteren Broadway, gleich um die Ecke, machten obskure Spelunken und Pornoläden auf. Die Country-Music-Fans zog es ins neue, aufstrebende Mekka der Country Music nach Branson in Missouri. Es gab sogar Pläne, das geschichtsträchtige Gebäude abzureißen, um dort ein modernes Hochhaus zu bauen. Zum Glück regte sich Widerstand gegen dieses Vorhaben. 

1992 gab Emmylou Harris einige Konzerte im Ryman und weckte somit wieder das Interesse an diesem Haus. Es wurde renoviert und seit 1994 gibt es wieder regelmäßig gut besuchte Konzerte im Ryman Auditorium. Auch als Museum mit einem sehr interessanten Laden kann es besichtigt werden. In der Lobby befindet sich eine wunderbare Statue, die Roy Acuff und Minnie Pearl auf einer Sitzbank zeigen. Eine Bronzeplatte mit folgender Inschrift ist unterhalb der Statue angebracht:



„Oh Roy“ -  This bronze sculpture is dedicated to the love and friendship that was shared with millions by two of country music´s greatest performers. Roy Acuff, the King of Country Music, and Minnie Pearl, the Queen Of Country Comedy, performed at the Ryman Auditorium from 1943 to 1974. Sculptor – Russ Faxon.



2001 wurde das Ryman Auditorium zum National Historic Landmark erklärt und steht somit unter Denkmalschutz. Dem alten, historischen Gebäude der Country Music Hall Of Fame war dieses nicht vergönnt. Es wurde in einer Nacht- und Nebelaktion abgerissen.

Bericht & Fotos: Jürgen Jakszentis