Rückblick auf die 49. CMA Award Show in Nashville

Wie für den Süden der USA zu Beginn eines Novembers nicht ungewöhnlich, verwöhnte das Wetter die Bewohner und Besucher Tennessees auch in diesem Jahr gleichermassen mittels angenehmer Temperaturen weit oberhalb der 20 Grad Grenze. Die Downtown Nashvilles, häufig kurz mit SoBro (South Broadway) betitelt, liess deutlich erkennen, dass ein wichtiges Ereignis bevorstand. Fahnen mit den Bildern Brad Paisley und Carrie Underwood wehten von den Laternenpfählen, und warben für "Country Music's Biggest Night"; Stars wie Hunter Hayes und Tim McGraw liessen öffentlich Videos drehen; und an allen Tagen vor der CMA-Awardsshow fanden bereits tagsüber Auftritte zukünftiger Country Stars in den angesagten Kneipen wie dem "Second Fiddle", dem legendären "Tootsie's", oder der immer noch gut besuchten "Robert's Western World" statt. Das "Doc Holiday" sowie der "Wild Horse Saloon" auf der Second Avenue boten jeden Abend Shows von halbwegs prominenten Interpreten an. Wer dagegen Ruhe suchte, fand beispielsweise sichere Zuflucht im ausgezeichnet eingerichteten George-Jones-Museum, oder konnte zur Country Music Hall of Fame ausweichen. CD- und Vinyl-Freunde schafften es womöglich, bei den Lawrence Brothers oder dem Ernest-Tubb-Record-Shop einige musikalische Schätze zu heben, doch trotz eines teils gesalzenen Preisniveaus merkte man deutlich, wie stark das Angebot an Tonträgern sinkt - auch in der Country Music dominieren mittlerweise Download-Portale wie iTunes o. ae. Diese Feststellung gilt im übrigen auch für Besuche bei den grossen Supermarktketten wie Walmart oder Target, wo CD-Regale nur noch geringe Ausmasse einnehmen.
Der Abend des 4. November war denn auch einzig und allein der besagten 49. Awardshow der Country Music Association vorbehalten. Absperrungen rund um die Bridgestone Arena und ein merklicher Preisanstieg bei den umliegenden Parkhäusern und Arealen zeugten von der Wichtigkeit des Ereignisses. Die doch recht imposante Bridgestone Arena sowie das nebenan gelegene, markante Gebäude der Country Music Hall of Fame & Museum verschwinden inzwischen förmlich zwischen den riesigen Neubauten der Hotels von Renaissance, Omni, Hilton und Hyatt, sowie dem geradezu gigantischen Music City Center. Was jedoch blieb, war der Andrang zur Show. Bereits zwei Stunden vor dem offiziellen Beginn stauten sich die Besucherströme auf dem Vorhof der Arena, weil auch diesmal auf Taschenkontrollen und Fragen nach bestimmten Gegenständen nicht verzichtet wurde. Die Show begann trotzdem pünktlich, denn die zeitgleiche Übertragung im TV-Sender ABC durfte natürlich nicht gefährdet werden. Viele Besucher befanden sich daher während der schon laufenden Begrüssung noch auf dem Weg zu ihren Plätzen. Neu und überraschend war die auf "Star Wars" eingestimmte Eröffnung der Show mit den traditionellen Gastgebern Brad Paisley und Carrie Underwood, diesmal kurzzeitig als Han Solo und Prinzessin Leia zu sehen; abgerundet wurde dieser Gag dann durch den folgenden Auftritt von William Shattner (Captain Kirk in "Raumschiff Enterprise") im weissen Kampfanzug eines Stormtroopers des "Star Wars"-Imperiums. Bestimmt rein zufällig startet in den USA im Dezember auch "Star Wars VII - The Force Awakens".

Der eigentliche musikalische Auftakt zur Show begann verheissungsvoll, denn Eric Church und Hank Williams Jr. fragten gemeinsam das Publikum "Are You Ready for the Country?". Church durfte später noch seine neue Single "Mr. Misunderstood" vorstellen. Auch die Florida Georgia Line erhielt beim Titel "Confession" die Gelegenheit zur Präsentation ihrer aktuellen Single, und direkt im Anschluss gab es für sie die Auszeichnung als Vocal Duo des Jahres.
Mit Little Big Town als dreimaligen Preisträgern konnten aufmerksame Beobachter wegen des Riesenhits "Girl Crush" bereits im Vorfeld rechnen. Jedoch bot die ebenfalls dreimalige Preisvergabe an Chris Stapleton eine echte Überraschung, zumal sie gleichzeitig in den Kategorien Bester männlicher Sänger und Bester Newcomer erfolgte. Seine CD "Traveller" gewann zwar die Sympathien der Kritiker, erwies sich aber bislang nicht als der grosse Verkaufserfolg. Stapletons Auftritt gemeinsam mit Ex-'NSYNC-Mitglied und Popstar Justin Timberlake zum George-Jones-Oldie "Tennessee Whiskey" vermochte aber sicherlich auch viele Skeptiker zu überzeugen. Luke Bryans erneuter Gewinn der Trophäe als Entertainer des Jahres dürfte dagegen weniger überrascht haben, verbrachten Lukes Singles doch einen Grossteil des Jahres in den Spitzenpositionen der Charts. Bereits zum sechsten Male heimste Miranda Lambert den Preis als Beste weibliche Sängerin ein, stellte dem Publikum ihre neue Single "Bathroom Sink" vor, enthielt sich allerdings jeden Kommentars zu ihrer Trennung von Ehemann Blake Shelton. Dieser genoss sichtbar seinen Auftritt mit "Gonna" auf einer der Hauptbühne gegenüberliegenden kleineren Ebene, und bestätigte am selben Tag die Gerüchte über seine Beziehung zur Popsängerin Gwen Stefani. Kacey Musgraves stellte ihren Titel "Dimestore Cowgirl" vor, sorgte aber vor allem wegen ihrer Hot Pants für Aufsehen. Ein weiteres Highlight bot dann auch die unerwartete Darbietung von Reba McEntire zusammen mit Brooks & Dunn, die mit der Frage "Why Haven't I Heard From You" begann, und der Aufforderung "Play Something Country" endete.
Apropos: wegen der auch diesmal recht zahlreichen Werbepausen zeigten die Grossbildschirme der Arena zwischendurch Mitschnitte aus früheren Shows. Leider nutzten viele Besucher diese Unterbrechungen zur Sicherung der eigenen Getränkeversorgung, wodurch stets störende Bewegung in den Zuschauerreihen herrschte. Leider - muss man sagen - nutzten ebenfalls viele Besucher die Verleihungen während der Show zur Unterhaltung mit ihren Begleitungen, ohne Rücksicht auf deren Ablauf zu nehmen; letzteres eine Unart, die man häufig bei Veranstaltungen in den USA erleben kann. Andere Zuschauer nutzten trotz angekündigter Aufzeichnungsverbote hemmungslos ihre Smartphones. Die Awardshow selbst endete ohne grosse Schlussworte pünktlich um 22 Uhr Ortszeit, was natürlich der TV-Übertragung geschuldet war.

Text: U. K. Baues, Fotos: R. Gehring / pr CMA