Gelungener Wechsel - Alan Jackson meldet sich zurück

Ein interessanter Trend zeichnet sich bereits seit einigen Jahren in der Country Music Szene ab, genauer gesagt im Country Music Business. Geschäftliche Aktivitäten der Stars und Sternchen hingen über Jahrzehnte vom Wohlwollen der jeweiligen Plattenfirma ab. Es geht allerdings auch anders. Bekannte Interpreten klinkten sich aus dieser Maschinerie aus, sei es aus der Not heraus, weil sie schlichtweg fallengelassen wurden, oder sei es deswegen, weil sie den Eindruck erhielten, nicht genug unterstützt zu werden. Beispiele gibt es zuhauf, Kenny Rogers gründete 1999 DreamCatcher Records und fand u. a. mit der CD “She Rides Wild Horses“ und dem Nummer-1-Hit “Buy Me a Rose“, einem Duett mit Alison Krauss, nach mehreren mageren Jahren wieder auf die Erfolgsspur zurück. Ähnlich erging es Toby Keith, der 2005 eine eigene Firma namens Show Dog gründete, nachdem Universal Records das Label DreamWorks aufgekauft hatte, wo er unter Vertrag stand. Seitdem fährt Toby – wie man weiß – ungebremst weiter auf der Erfolgsspur.

Bei Alan Jackson lief es etwas anders. Sein eigenes unabhängiges Label kürzt sich mit ACR ab, was für Alan’s Country Records steht. Bislang trat sie nur wenig in Erscheinung; mancher mag sich noch an The Wrights erinnern, Shannon und Adam, ein Ehepaar, welches von Adams Onkel Alan Jackson unterstützt wurde. Ihre erste CD “Down This Road“ erschien auf ACR, und als Vertriebsfirma wirkte RCA Records. Im Jahr darauf erschien die Gospel-CD “Precious Memories“ von Alan Jackson, und von den meisten Fans unbeachtet prangte auf der US-Ausgabe ebenfalls das Logo ACR, ebenso auf der gleichnamigen DVD-Ausgabe mit dem Zusatz “Live at the Ryman“. Aber seitdem trat Alans Label nicht mehr in Erscheinung. Bis jetzt. Denn Anfang 2011 – nach über zwanzig Jahren – trennte sich der Künstler von seiner alten Firma Arista und gab zwei Monate später seine Zusammenarbeit mit EMI Nashville bekannt, als Joint Venture von ACR und Capitol Records. Dies kam einer Sensation gleich, war doch Alan damals (1989) der erste bei Arista Nashville verpflichtete Künstler gewesen. Über die Gründe des Wechsels gibt es nur Spekulationen.

Somit vermochte Alan Jackson seinen Einstand bei EMI-Capitol mit gleich zwei CD-Ausgaben zu feiern. Zuerst erschien als Wiederveröffentlichung sein Gospel-Album “Precious Memories“, mit genau denselben Titeln wie 2006, und kurz darauf gab es auch seine neue und schon sehnsüchtig herbeigewünschte neue CD “Thirty Miles West“. Beide werden übrigens auch bei EMI in Köln für den deutschen Markt bereitgestellt. Alans Bilanz kann sich seitdem wieder sehen lassen, denn “Thirty Miles West“ besetzte Ende Juni dieses Jahres auf Anhieb den 1. Platz der Country Charts bei den bestverkauften CDs, und schaffte es dabei sogar, Carrie Underwood von der Spitze zu verdrängen. Auch seine bislang erschienenen Auskopplungen, "Long Way to Go" aus dem Vorjahr, sowie die aktuelle Single "So You Don't Have To Love Me Anymore", konnten sich als Dauerbrenner in den Country Charts etablieren. Man sieht, mit seinen fast 54 Jahren gelingt es Alan Jackson ohne Probleme, an die großen Erfolge seiner bisherigen Karriere anzuknüpfen.
Ulrich K. Baues