DVD: Ja uff erstmal – Winnetou unter Comedy-Geiern

Im Rahmen einer sogenannten „langen Winnetou-Nacht“ gab es zum Monatswechsel vom 31. Oktober zum 1. November 2000 dieses Werk zeitgleich sowohl im WDR-Fernsehen, als auch auf WDR4-Hörfunk. Als Vorlage diente ein Hörspielskript aus den fünfziger Jahren. In sieben Episoden à 50 Minuten trugen die damaligen deutschen Comedy-Stars dieses Werk vor. Der Aktion war ein durchschlagender Erfolg beschieden. Schon im Februar 2001 startete auf WDR eine Reihe mit Wiederholungen, wobei zwölf Wochen lang jeweils ein auf eine halbe Stunde begrenzter Abschnitt ausgestrahlt wurde. Diesem Dutzend Folgen stellten die Macher zusätzlich noch ein ebenfalls halbstündiges „Making of“ voran. Und kurz darauf erschien unter Bertelsmanns früherem Label BMG eine CD-Box, mit den sieben ursprünglichen Episoden (BMG 74321-80232-2, 7 CDs, s. Western Mail vom Oktober 2001).
Wer nun einen ersten Blick in die beiden DVDs wirft, wird umgehend von der fröhlichen Stimmung im Kölner Aufnahmestudio mitgerissen. Selbst bei teils traurigen oder dramatischen Textzeilen spürt man die Mühe der Beteiligten, nicht loszuprusten. Jürgen von der Lippe übernahm dabei nicht nur die doch aufwendige Aufgabe des Erzählers, sondern sprach auch als Old Shatterhand. Zusammen mit Rüdiger Hoffmann als Winnetou trat hier somit ein unschlagbares Duo an!
Aber es geht noch mächtig originell weiter, denn ausgerechnet dem freundlichen Bernd Stelter übertrug man böse Charaktere wie Santer oder Rattler, wogegen man positive Figuren wie Dick Stone und Klekih-petra an Dirk Bach weiterreichte. Die tragische Rolle von Winnetous Schwester Nscho-tschi übernahm Hella von Sinnen, und der doch eher für Heiterkeit zuständige Mike Krüger sorgte hier u. a. als Winnetous Vater Intschu-tschuna für ein wenig Autorität. Herbert Knebel als Sam Hawkens und Bastian Pastewka als Will Parker vervollständigten das Karl-May’sche „Kleeblatt“. Die bei einem Hörspiel äußerst wichtige Geräuschkulisse stammt von Mel Kutbay, der in Fachkreisen lange Zeit als „bester Geräuschmacher in Europa“ geschätzt wurde. Kenner der drei Winnetou-Bände dürften den Dialogen sicherlich mühelos folgen können. Für alle anderen wären jetzt die Erläuterungen aus dem der damaligen CD-Box beiliegenden Booklet hilfreich, doch leider verzichtete man hier auf ein Reprint.
Auf den beiden DVDs finden sich die kompletten sieben Ursprungsfolgen, ergänzt um das als Bonusmaterial deklarierte „Making of – wie alles begann“. Das Bild ist für die damalige Zeit TV-typisch, also im 4:3-Format, mit den hierbei unvermeidlichen schwarzen Balken am linken und rechten Rand. Als Sprache gibt es zwangsläufig einzig Deutsch, und zwar in Dolby Digital 2.0.
Ulrich K. Baues