DVD: Die große Kür & Im singenden Rössl am Königssee

Bei den deutschen und österreichischen Schlagerfilmen der fünfziger und sechziger handelte es sich nur selten um kineastische Großtaten. Nach heutigen Maßstäben würde man auf lieblos zusammen geschusterte Handlungsstränge, völlig überdrehten Klamauk, und oft sinnfreie Dialoge verweisen. Allerdings – bei aller berechtigten Kritik – verdanken wir diesen Streifen die vielen frühen und oftmals bunten Videoclips der Stars von damals. In der “Großen Kür“ beispielsweise spielt sich das deutsche Traum- und Weltmeisterpaar im Eiskunstlauf Kilius/Bäumler quasi selbst. Die Story dient aber eher dazu, einige Schlager an den Mann zu bringen, anstatt das nebenbei gestreifte Thema Künstlervermarktung zu kritisieren. Marika Kilius läßt hier zwar nicht “… die Cowboys träumen“, stellt aber mit der Behauptung “Ich bin kein Eskimo“ einen ihrer Erfolge vor, worauf Hans-Jürgen Bäumler beim “Honeymoon in St. Tropez“ mit einstimmen darf. Peter Kraus alias Rennfahrer Jonny King agiert in der Handlung als Bäumlers Konkurrent beim Ringen um die Gunst der Eisprinzessin; er setzt schon voll auf die damals beginnende englischsprachige Welle, und schwärmt zumindest im Titel von den “Kisses in the Night“, sinnigerweise bei einer Autofahrt am helllichten Tag. Und dann hüpft auch noch der Sohn von Manager Toifels (Philipp) Sekretärin im Indianerkostüm durch die Handlung.
Solch eine bunte Vielfalt gibt es auch im vermeintlich “singenden Rössl“, welches entgegen dem Titel nicht am Königssee liegt. Denn es gibt hier ebenfalls eine nicht weiter ernst zu nehmende Handlung mit Verwechslungen um Kellner Franz und seinen Zwillingsbruder Benedikt (Weck), und dazwischen einige Missverständnisse sowie Gesangseinlagen. Manuelas Ausrede “Schuld war nur der Boss-Nova“ läuft zwar vor schöner Uferkulisse, doch ein weiteres – eingeschobenes – Video hat dagegen noch mehr Substanz: Peter Hinnen schwärmt darin im Cowboyhemd von seinen angeblich “Siebentausend Rindern“ in Idaho! Dies allein lohnt den Blick ins Rössl. Als Tonformat hört man Deutsch in Dolby Digital 2.0, Untertitelungen fehlen. Zum “Rössl“ gibt es noch den Original-Kinotrailer. Beide DVDs enthalten farbig illustrierte Booklets mit Informationen zu den beiden Filmen samt ihren Hauptdarstellern.

Ulrich K. Baues