Clinton Gregory: Too Much Ain’t Enough

Anfang der 1990er Jahre verzeichnete Clinton Gegory einige gute Erfolge mit Songs wie „Play Ruby Play“ oder „If It Weren’t For Country Music (I’d Go Crazy)“. Im Grunde war seine Musik schon damals beinahe zu Country. Umso mehr ist sie es heute! Denn Clinton Gregory ist seinem Stil treugeblieben. Das macht er sogleich zum Thema im Opener des Albums mit der Nummer „Too Country For Nashville“. Tatsächlich stürmen momentan fast nur noch Pop-orientierte Titel die Charts. Doch wenn man zurückblickt, war das im Grunde schon immer so. Nashville war Traditionalisten meistens viel zu modern. Und später empfand man diese früher neuen Strömungen als traditionell.
Tatsache ist, dass Clinton Gregory ausgesprochen schöne, traditionelle Country Music macht, die wahrscheinlich nicht modern genug ist, um in den Charts zu landen. Was ich persönlich als schade empfinde, denn Clinton bietet alles, was schön ist: melodische Songs, Texte mitten aus dem Leben und wunderbare, ursprüngliche Country-Instrumentierungen. Die Fiddle spielt er selbst, denn die ist sein Hauptinstrument, mit dem er bereits bei seinen früheren Erfolgen glänzen konnte. Die Nummer „Bridges“ stammt aus den Federn von Gary Hannan und Marty Brown; und genau dieser Marty Brown ist auch einst in Nashville als „zu Country“ untergegangen. Mitten aus dem Musikerleben ist die Nummer „You Play Like Chet“, in dem erzählt wird, wie der Akteur gelobt wird, weil er genauso spielt wie Chet Atkins. Klar, dass eine nach Chet klingende Gitarre einen Großteil der musikalischen Begleitung ausmacht. Und Clinton Gregory spielte die akustische Gitarre selbst!
Aus Clintons Feder stammt die wundervolle Ballade „Has Love Taken It’s Toll“. Mit ganz wenigen Mitteln, nämlich ganz ehrlicher, erdiger Country Music, nimmt er die Zuhörenden mit auf eine sentimentale Reise durch wohlige Töne mit viel Gefühl. Was für eine tolle Nummer! Country pur ist „If That Ain’t Jones“, hierin geht’s natürlich um George Jones. Und dass auch das ganz und gar erdige Musik ist, versteht sich von selbst. Wunderbar weinend spielt Steve Hinson die Steel Guitar im langsamen Song „She Did“. „Crucifixion“ im langsamen Walzertakt ist ein weiterer von Clinton selbst geschriebener Song dieses Albums.
Insgesamt 12 Titel nahm er auf, den Abschluss bildet das nachdenkliche Stück „The New“ von Johnny Holland.
Ein ehrliches, erdiges, pures Countryalbum, in dem Clinton Gregory in den Balladen ebenso glänzt wie in den Up-Tempo-Nummern. Für mich eines der schönsten traditionellen Countryalben aus der heutigen Zeit.
www.clintongregory.com