CD: The Best of Herman’s Hermits

In den sechziger Jahren gab es Beat und vor allem die Beatles – sie hatten die großen Hits, sie verkauften die meisten Platten, sie verfügten über die meisten Fans. So war es zumindest in Europa. In den USA tickten die Uhren etwas anders. Ohne den Erfolg der Beatles schmälern zu wollen: sie waren 1964 dort die erfolgreichste Band, ohne Frage. 1965 sah dies schon anders aus – Herman’s Hermits landeten die Riesenhits, brachten die meisten Platten unter die Leute, und versammelten die größten Scharen von Fans hinter sich. Statt der Beatles aus Liverpool traten nun Herman’s Hermits aus Manchester in den marktbeherrschenden TV-Shows auf, trafen sich mit Elvis auf Hawaii, spielten in Kinofilmen mit – dies alles stellte für die Beatles eine ernsthafte Konkurrenz dar. Musikalisch standen die Hermits den Beatles nur wenig nach. Rock & Roll führten beide Bands ohnehin im Repertoire. Die Hermits setzten dazu mehr auf US-Songwriter. Die „Sea Cruise“ wurde von Jerry Lee Lewis und Jimmy Buffett besungen, „The Story of My Life“ von Marty Robbins erzählt, und nach „Kansas City” reisten nicht nur Brenda Lee, Joe Sun und Dean Reed. Auch die Band aus Manchester bot also schon in ihren ersten Jahren ein tolles Portfolio an Songs. Hinzu gesellten sich dann auch ihre Riesenhits, wie „Can’t You Hear My Heartbeat“, „Silhouettes“, „Mrs. Brown, You’ve Got a Lovely Daughter“, oder „I’m Henry VIII I Am“, allesamt aus dem Jahr 1965. Die späteren Erfolge in Europa werden manche Leser ebenfalls sofort mitsummen können, als da wären natürlich „No Milk Today“, „Something’s Happening“ oder „Sunshine Girl“. Den einen oder anderen davon führen auch heimische Country-Bands im Repertoire. Alle der genannten Titel sind auf dieser Doppel-CD versammelt. Insgesamt mehr als sechzig Aufnahmen, viele davon lange bekannt, aber daneben gibt es – wie bei Bear Family üblich – auch die Raritäten, nämlich Single-Rückseiten, Stereo-Versionen, LP-Tracks, usw. Und das Ganze wird von einem 140-seitigen (!) Booklet begleitet. Darin zu blättern dürfte nicht nur für den Fan ein Traum sein. Hier finden sich überwiegend farbige Abbildungen von Schallplattenhüllen und –labels aus unterschiedlichen Ländern, Fotos aus jener Zeit (u. a. mit Dean Martin und Elvis), Abbildungen von Filmplakaten, und vieles mehr. Ebenfalls enthalten sind eine ausführliche Darstellung der Karriere der Band, sowie – wie bei Bear Family stets zu finden – die detaillierten diskografischen Angaben zu sämtlichen hier enthaltenen Titeln.  

Ulrich K. Baues