Buch: Sam Phillips – Der Mann, der den Rock’n’Roll erfand

Die US-Ausgabe dieses Buches erlebte bereits vor drei Jahren an dieser Stelle ihre Vorstellung (s. Country-Mag vom 27. Januar 2017). Die jetzt vorliegende deutsche Übersetzung steht dem Original in nichts nach, will heißen, den Leser erwartet ein hinsichtlich Text und Illustrationen identisches Werk über den Rock’n’Roll-Pionier Sam Phillips, nur eben auf Deutsch. Berühmt wurde Sam als Besitzer des kleinen Memphis Recording Service, und der damit verbundenen Schallplattenfirma Sun Records in Memphis. Die Größen des anfangs noch nicht so genannten Rock & Roll begannen ihre Karrieren genau dort und mit seiner Unterstützung, wie Elvis Presley, Jerry Lee Lewis, Carl Perkins, Billy Lee Riley, Johnny Cash, und später auch Roy Orbison und Charlie Rich. Die Biografie über Sam Phillips erzählt somit auch gleichzeitig die Geschichte dieses legendären Labels, Sun Records. Allerdings entnimmt man dem Inhalt auch, dass Phillips zwar einen musikbegeisterten Geschäftsmann abgab, der aber – wie es sich gehört – durchaus auch Umsatzziele anstrebte. Und man erfährt, dass er noch auch ein Privatleben führte. Sein Lebensweg von Alabama nach Tennessee, vom Lokal-DJ zum Besitzer einer Radiostation, und dann eben der Aufbau von Sun Records zu einem lukrativen Unternehmen, wird hier sehr ausführlich beschrieben. Glücklicherweise startet die deutsche Ausgabe inhaltlich kein Eigenleben, sondern der Übersetzer Peter Widemann gibt Peter Guralnicks Schilderung in Gänze und identischer Reihenfolge wider. Und auch die im Original eingestreuten Fotos bleiben hier dem Leser erhalten, wenn auch bezüglich der Qualität der Abbildungen – wie im Vorläufer – manches Mal die Entstehungszeit berücksichtigt werden muss. Die gegenüber dem Original merklich geringere Seitenzahl ist überwiegend dem Wegfall der sogenannten „Notes“ geschuldet, die seinerzeit mehr als fünfzig Seiten füllten. Jetzt verbannte man die unzähligen notwendigen Anmerkungen in die Fußzeilen der betreffenden Seiten. Wer sich wegen mangelnder Sprachkenntnisse bislang nicht zum Erwerb der US-Ausgabe dieser Biografie über Sam Phillips entschließen konnte, findet hier nun eine willkommene Alternative.
Ulrich K. Baues