Buch: Musical Groups in the Movies, 1929-1970

Eines nicht alltäglichen Themas nahm sich hier der Autor Roy Liebman an. Im genannten Zeitraum, also vom Beginn der Tonfilmära bis hin zum modernen Film, baute Hollywood unzählige musikalische Beiträge in seine Kinoproduktionen ein. Es geht hierbei nicht um den reinen Soundtrack, sondern um persönliches Mitwirken, quasi als Nebendarsteller. Bei den Musicals wusste und weiß man ja stets recht genau, welche Solokünstler ihre rollenspezifischen Titel darbieten. Doch in unzähligen Kinofilmen trugen nebenher oder häufig gar völlig im Hintergrund Gesangs- oder Instrumentalcombos mit passenden Songs zur Handlung bei. Die Musik entstammte dabei genau wie die Interpreten gänzlich unterschiedlichen Stilrichtungen, also Swing, Western, Jazz, usw. Manche Formationen kennt man noch heute, darunter natürlich das Glenn Miller Orchester, Roy Acuff & His Smoky Mountain Boys, die Platters, usw. Von anderen hatte man zuvor nie gehört, und über einige hörte man danach auch nie wieder etwas. Autor Liebman entreißt hier dankenswerter Weise viele davon dem Vergessen werden. Dies gestaltet sich in alphabetischer Folge, wobei falls zutreffend der erste Buchstabe eines Vornamens hier den Ordnungsfaktor bildet, also beispielsweise findet man Angaben zum Tommy Dorsey Orchester unter „T“, und nicht wie man ja vermuten könnte unter „D“; es gibt dann allerdings stets einen entsprechenden Hinweis. Qualifiziert für einen Eintrag war man mit einem Auftritt in mindestens einem einzigen Film oder einer passenden Dokumentation. Eine kurze Vorstellung der jeweils ausgewählten Formation ist bei fast allen Einträgen obligatorisch, und schließt mit einer Auflistung der betreffenden Filmtitel, meist ergänzt durch die darin gespielten Songs. Für die Sons of the Pioneers endet die Aufzählung der Filme kurz vor der Zahl einhundert, wogegen man die Oak Ridge Boys lediglich in einem Dokumentarstreifen zu sehen bekam. Bei Bill Black’s Combo, der Band des Bassisten von Elvis, nimmt man verdutzt deren einzigen Auftritt im hierzulande leider nicht angelaufenen Farbfilm „Teenage Millionaire“ zur Kenntnis. Weiterhin wundert man sich, dass bei Duane Eddy & the Rebel Rousers lediglich der gleichfalls in Deutschland nicht gezeigte Streifen „Because They’re Young“ auftaucht; Eddys Arbeiten als Solodarsteller erfahren hier wegen der Zielsetzung dieses Buches naturgemäß keine Erwähnung. Auf ähnliche Überraschungen stößt der Leser hier zuhauf, wie auf die Alice Cooper Band, die Del-Vikings, Herman’s Hermits, Jimmie Davis & His Rainbow Ramblers, die Jordanaires, Merle Travis & His Bronco Busters, die Righteous Brothers, Sonny & Cher, Tex Ritter’s Tornadoes, und noch unendlich viele andere. Falls Gesangstitel genannt werden, lassen sich nun möglicherweise Lücken in Diskografien schließen. Man stellt aber vielleicht auch überrascht fest, welchen Titel der jeweiligen Formation man noch nicht kannte, weil dieser ausschließlich beim Auftritt in einem bestimmten Film gespielt wurde. Und da dieses leider nur mäßig illustrierte Buch tatsächlich hunderte Einträge aller Stilrichtungen zitiert, dürfte es neben Country & Western oder Rock & Roll auch für Rock-, Soul- und Pop-Fans von großem Interesse sein. Der Anhang zeigt zusätzlich eine schlichte Auflistung britischer Bands, die in mindestens einem einzigen Streifen mitwirkten, und nennt Tanz- und Skaterformationen ohne eigene instrumentale oder gesangliche Beiträge.
Ulrich K. Baues