Buch: Mein Leben: Eine lange Geschichte - Willie Nelson

Jeder kennt Willie Nelson – oder? Der Texaner, dessen Bekanntheitsgrad spätestens seit seinem Superhit „Blue Eyes Crying in the Rain“ auch hierzulande ins Unermessliche stieg, der in Filmen wie „Der elektrische Reiter“ mitwirkte, der u. a. mit Julio Iglesias Songs aufnahm, dessen markante Haarzöpfe ihn gar nicht nach einem typischen Country-Sänger aussehen lassen, usw. usf. Kennt man ihn wirklich? Falls nicht, gibt es hier seine Lebensgeschichte zum Nachlesen, sozusagen in eigenen Worten, zu Papier gebracht von David Ritz, der zuvor vorwiegend Biografien über Soul-Interpreten schrieb. Willies Leben vor seinem ersten großen Hit dürfte dabei ohnehin weniger vertraut sein, denn seine Kindheit spielte sich in den dreißiger und vierziger Jahren ab. Hier erfahren wir denn auch von dem viel zu früh verstorbenen Vater, von seinem ersten musikalischen Eindruck bei einem Konzert von Bob Wills, über seine geradezu frustrierenden Anfänge als Musiker in den fünfziger Jahren, und über viele andere kleine Episoden, welche später im Glanze des Ruhmes in den jeweiligen Biografien dann weniger stark herausgestellt werden. Seine ersten echten Erfolge feierte Willie ja 1961 als Songschreiber mit „Hello Walls“, da wurde die Gesangskarriere zumindest finanziell eigentlich Nebensache. Doch Willie blieb dran, und dann klappte es ja wie man weiß auch als Interpret, mit all den vielen Hits, solo oder im Duett oder als Teil einer Formation. Auch auf Spielfilme wie „Honeysuckle Rose“, „Die Ballade vom Banditen Barbarosa“ oder „Der Songschreiber“ mit Kris Kristofferson, sowie auf die berühmten Farm Aid-Aktionen und auf Auftritte vor begeisterten Fans in ausverkauften Häusern kann er stolz verweisen. Die Begegnung mit Waylon Jennings wird mit einem eigenen Kapitel gewürdigt, die Probleme mit der Steuerbehörde IRS abgehandelt, und dann kommt auch das private Leben nicht zu kurz. Angenehm, dass Willie für seine Ehefrauen nur nette Worte findet. Ebenfalls angenehm ist der Sprach- bzw. Schreibstil, der wenig mit steifen biografischen Abhandlungen gemein hat, sondern sehr locker, manchmal gar drastisch, rüberkommt. Zwei Hochglanzteile zeigen Fotos von Willie, meist in Gegenwart von Familienmitgliedern oder anderen Prominenten, zum übergroßen Teil in Farbe.

Ulrich K. Baues