Buch - John Grisham: Anklage (Roman)

Nicht schon wieder Ostküste, wird man womöglich nach den ersten Seiten denken – aber keine Bange, Erfolgsautor Grisham nutzt die Szenerie New Yorks und die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im Jahre 2008 mit ihren verheerenden Auswirkungen auf die dortige Finanzwelt nur als Einstieg. Als Folge dieser Ereignisse wird die junge Anwältin Samantha Kofer mit weiteren Kolleginnen und Kollegen von ihrer Kanzlei vor die Tür gesetzt, mit einem kleinen Bonbon, dass die Weiterbezahlung einzig der Krankenversicherung zusichert, wenn sie sich ein Jahr lang ehrenamtlich betätigt. Da ihr keine andere Wahl bleibt, landet Samantha im (fiktiven) 2000-Einwohner-Städtchen Brady, im äußersten Zipfel Virginias, also tief in den Appalachen. Die Handlung spielt nun im Gebiet zwischen Virginia, Kentucky und West Virginia. In diese für die New Yorkerin hinterwäldlerische Gegend will sie freiwillig nicht ziehen, aber aus bestimmten Gründen und mangels Alternativen sagt sie zu. Hier beginnt für sie das wahre Leben in einer Kanzlei, die den Mandanten kostenlosen Rechtsbeistand bietet: Die dortigen Missstände schreien geradezu nach anwaltlicher Unterstützung. Soziale Katastrophen sind jedoch nicht das einzige Sachgebiet. Es geht außerdem um den hemmungslosen Kohleabbau, und vor allem um dessen fatale Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen und die Natur. Die Kohlefirmen stehen auf der gegnerischen Seite, denn sie wollen gesundheitliche Folgeschäden nicht tragen, nehmen keine Rücksichten auf die Bewohner des Gebietes, verseuchen das Wasser, usw. Da sehr viel Geld im Spiel ist, wird auf beiden Seiten mit harten Bandagen gekämpft, und auch vor Mord nicht zurückgeschreckt. Samantha engagiert sich stark für ihre Fälle, gewinnt sogar erstmalig vor Gericht, und sieht daher trotz mancher Verlockungen aus Richtung New York vorerst ihren Platz in Brady, um dort weiter gegen Unrecht vorzugehen.

Ulrich K. Baues