Buch: He’s Got Rhythm – The Life and Career of Gene Kelly

Gene Kellys Bilanz hinsichtlich Western fällt wie erwartet sehr übersichtlich aus. Aber immerhin erschien 1970 eine Westernkomödie mit der Ankündigung „Geschossen wird ab Mitternacht“, welche Kelly als Regisseur betreute. Von den Filmkritikern eher negativ beurteilt, holte der Streifen an den Kinokassen dank der Mitwirkung von Hollywoodgrößen wie James Stewart, Henry Fonda, oder Shirley Jones zumindest seine Kosten wieder vollständig herein. Vielleicht erinnert man sich sogar an seinen Kurzauftritt 1985 in der 2. Folge der TV-Serie „Fackeln im Sturm“? Wie dem auch sei, der 1996 verstorbene Gene Kelly arbeitete als Schauspieler, Tänzer, Choreograph, und später auch häufig als Regisseur. Als Darsteller kennt man ihn ohnehin eher aus vielen heiteren Musicals. Diese Technicolor-Produktionen, wie „Ein Amerikaner in Paris“ von 1951, oder im Jahr darauf „Du sollst mein Glücksstern sein“ – mit der weltbekannten Szene, worin er „Singing in the Rain“ tanzt und singt – verbindet man sofort mit seinem Namen. In manchen Musical-Verfilmungen nahm er gar alle erwähnten Positionen ein, wie 1955 in „Vorwiegend heiter“. Zu den auch hierzulande sehr populären Kinofilmen zählen „Der Pirat“ und „Die drei Musketiere“, beide von 1948, dann „Heut’ gehn wir bummeln“ von 1949, oder „Einladung zum Tanz“, wobei letzterer sogar an der Berlinale 1956 teilnahm und den Goldenen Bären gewann. Diese umfangreiche und sehr detaillierte Biografie befasst sich mit allen Arbeiten und Auftritten, die Kelly auf der Bühne, im TV-Studio, und natürlich in Hollywood absolvierte. Sein durchaus fragwürdiges Verhalten gegenüber Konkurrenten, sowie die ruppige Art des Umgangs mit anderen Kollegen, kommen hier auch zur Sprache. Insofern erfüllt diese beachtenswerte Biografie die gesetzten Erwartungen voll und ganz. Darüber hinaus wirft das Buch noch einen kritischen Blick auf Kellys politische Denke. Weniger bekannt war bislang nämlich seine Ablehnung hinsichtlich Hollywoods „schwarzer Liste“, in der im damals aufgeheizten Klima des „kalten Krieges“ zahlreiche Darsteller, Regisseure, oder Produzenten mit tatsächlicher oder vermeintlicher prokommunistischer Einstellung erfasst wurden. Auch Kellys Privatleben wird hier einer Würdigung unterzogen, worin der Star wiederum nicht ganz so gut wegkommt. Im Anhang gibt es u. a. eine fast vollständige Filmografie. Ein rund fünfzigseitiger Fototeil illustriert mit zahlreichen s/w-Bildern sämtliche Phasen von Kellys Leben und Karriere.
Ulrich K. Baues