Buch: Elvis Presley, Richard Nixon, and the American Dream

Man kann durchaus verstehen, wenn jemand angesichts der turbulenten Ereignisse der just vergangenen Monate betont, er wäre des Themas „US-Präsidenten“ völlig überdrüssig. Es gab jedoch glücklicherweise auch andere Geschehnisse rund um das sogenannte Weiße Haus. Blicken wir um nur wenig mehr als fünfzig Jahre zurück, fand dort eine durchaus denkwürdige Begegnung statt – der König besuchte den Präsidenten, will heißen, der seinerzeit amtierende US-Präsident Richard Nixon gewährte „King“ Elvis Presley eine Art Audienz. Viele Anekdoten und Gerüchte rankten sich bislang um dieses historische Treffen, wobei manches Mal Wahrheit und Dichtung verschmolzen. Wie man diesem Buch nun entnehmen kann, lief alles weniger dramatisch ab, als vermutet. Die zwei Autoren holen jedenfalls weit aus, und schildern die Werdegänge beider Persönlichkeiten sehr detailliert. Über Elvis‘ musikalische Entwicklung existiert bereits genug Material und Wissen, und so richtig neue Tatsachen entnimmt man den Ausführungen nicht; Richard Nixons politischen Weg wird man dagegen wesentlich neugieriger verfolgen. Auf Parallelen wie die ärmliche Herkunft und strenge Erziehung wird hingewiesen, und dann werden natürlich die prägenden Eckpunkte der jeweiligen Karriere ausführlich beschrieben, auch über das hier thematisierte Treffen hinaus. Die eigentliche Begegnung zwischen Elvis und Präsident Nixon am 21. Dezember 1970 erfährt eine nur relativ kurze Darstellung. Allerdings wird manches bestätigt, was bisher nur als Gerücht in Umlauf war, also Elvis‘ Geschenk an Nixon (ein Colt .45 aus dem Zweiten Weltkrieg), seine Zusicherung zur Unterstützung des Präsidenten, sein Wunsch nach einem Abzeichen der damaligen Behörde „Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs“ (heute „Drug Enforcement Administration“, DEA), usw. Auch die entspannte Stimmung während des Treffens wird hervorgehoben, und der kleine Fototeil mit den sechs s/w-Bildern spiegelt diese lockere Atmosphäre wider. Auf den Besuch beim FBI – eine Woche später – wird ebenfalls kurz eingegangen. Geradezu imposant wirkt der umfangreiche Dokumententeil, worin man neben Kopien von Elvis‘ auf American Airlines-Papier handgeschriebenen Brief an den Präsidenten, bis hin zu Nixons Dankschreiben nach dem Besuch, die Korrespondenz abgedruckt findet, dazu auch spätere Antworten des US-Finanzministeriums an die Autorin.
Ulrich K. Baues