Buch: Die Chronik der ZDF-Hitparade

Hiermit kommt eine voluminöse und farbenprächtige Dokumentation über eine stets umstrittene, aber auch stets erfolgreiche Fernsehshow auf den Tisch. Trotz aller Anfeindungen von vermeintlich intellektueller Seite, trotz der seinerzeit bestehenden Dominanz englischsprachiger Musiktitel – die ZDF-Hitparade erreichte schon während ihrer Laufzeit Kultstatus, und kann diese Stellung auch heute noch, mehr als fünfzig Jahre nach ihrer Erstausstrahlung, behaupten. Bei der Präsentation der stets monatlich aus dem Studio der Berliner Union-Film ausgestrahlten ZDF-Hitparade stand der 2018 verstorbene Dieter Thomas Heck wie ein Fels in der Brandung. Seine unnachahmlichen Moderationen trugen ganz entscheidend zum erwähnten Kultstatus der Sendung bei. Er holte sie alle auf die für damalige Verhältnisse modern-funktionelle Bühne: die Schnulzensänger wie Roy Black, die Komiker von Trio, die Liedermacher a la Stefan Sulke, die Interpreten der Neuen Deutschen Welle, und viele, viele andere. Und natürlich auch die Vertreter der Country Music und des Rock & Roll, in Gestalt von Tom Astor, Elke Best, Gunter Gabriel, Jonny Hill, Truck Stop, die Ace Cats, Juliane Werding, Peter Kraus und Ted Herold. Die strikte Vorgabe „Halbplayback“, also Musik vom Band, Interpret singt „live“, sorgte für die stets kribbelnde Atmosphäre, und ermöglichte auch verblüffende Aktionen, wie beispielsweise Gottlieb Wendehals‘ „Polonaise Blankenese“. Autor Andreas Tichler, Chefredakteur des online-Magazins „smago!“, stellt hier sämtliche 183 Ausgaben der von Dieter Thomas Heck wortgewaltig begleiteten ZDF-Hitparaden vor. Jede Sendung wird textlich individuell beschrieben, die Platzierungen samt Neuvorstellungen aufgelistet, die Bildhüllen der vorgestellten Singles in Farbe gezeigt (darunter viele Raritäten), und teilweise auch meist farbige Fotos aus den betreffenden Shows eingefügt. Es gibt dazu noch weitere Bildteile, es gibt Berichte über die Sondersendungen, der Hitparadenkönig Chris Roberts wird ausführlich gewürdigt, alle in den hier beschriebenen Sendungen aufgetretenen Künstler stehen samt Songtitel und der zugehörigen Sendungs-Nummer verzeichnet, und eine alphabetische Liste sämtlicher Gesangsdarbietungen schließt diese umfangreiche, aber durchgehend unterhaltend geschriebene Recherchearbeit ab.
Ulrich K. Baues