Buch: Cash Box Top 100 Charts – The Seventies

Manche Ersteller moderner Diskografien ergänzen häufig die rein musikalischen Angaben zur jeweiligen Aufnahme (also Studiodetails, Matrixnummern, etc.) durch eine Art Erfolgsbilanz – sinnigerweise nur bei Titeln, die eine Veröffentlichung als Single erfuhren. Wie gut sich dann die betreffende Scheibe in den Hitparaden schlug, wird mittels Anzahl der darin verbrachten Wochen, und natürlich durch die höchste erreichte Position sorgfältig dokumentiert. Was aus solchen Angaben allerdings nirgendwo zu entnehmen ist, sind die wöchentlichen Kämpfe der betreffenden Single gegen die zahlreichen Konkurrenten, also andere Künstler. Hierzu erlauben nun die „Cash Box Top 100 Charts – The Seventies“ den idealen Einblick. Beginnend mit dem 3. Januar 1970, und endend zehn Jahre später mit dem 29. Dezember 1979, bietet dieser Wälzer auf weit über fünfhundert Seiten je eine leicht verkleinerte, jedoch vollständige Abbildung von allen damals wöchentlich publizierten Popmusik-Hitparaden „Top 100“ des US-Fachmagazins Cash Box. Beim Durchblättern taucht man tief in die kunterbunte Welt der siebziger Jahre ein. Alle vier Ex-Beatles feierten als Solisten ihre großen Erfolge, die Disco-Musik setzte ihren Siegeszug fort, Künstler/innen wie John Denver oder Olivia Newton-John begeisterten das Publikum, und Bands wie die Eagles, Lynyrd Skynyrd, America oder die Allman Bros. bereicherten die ohnehin große musikalische Vielfalt erfolgreich um Country-Rock. Aber auch gestandene Country-Musiker/innen wie die Bellamy Brothers, Anne Murray, Charlie Rich oder Freddy Fender vermochten sich durchzusetzen. Beim Durchblättern merkt man deutlich, wie sehr alles darauf ausgerichtet war, zur Spitze der „Top 100“ vorzustoßen. Die Resultate fielen völlig unterschiedlich aus. Man verfolge beispielsweise, mit welchen gewaltigen Sprüngen sich die Beatles-Single „Let It Be“ im März 1970 an die Spitze bewegte. Konkurrenten wie die Jackson 5 oder die Plastic Ono Band saßen wochenlang dahinter fest. Dies wiederholte sich zwei Monate später bei „The Long and Winding Road“, und diesmal musste sich die Poppy Family mit dem undankbaren zweiten Platz zufriedengeben. Man stellt andersrum verdutzt fest, dass Frankie Valli im Sommer 1978 mit „Grease“ anderthalb Monate auf dem zweiten Platz verharrte, ehe er dann für eine Woche die „No. 1“–Plazierung einzunehmen vermochte; bis dahin versperrten ihm die Rolling Stones mit „Miss You“ und die Commodores mit „Three Times a Lady“ erfolgreich den Weg ganz nach oben. Verfolgt man dann den Chartverlauf von „When a Child Is Born“, lässt sich ermessen, wie lange Michael Holm während der Jahreswende 1974/75 hoffen und harren musste, um mit diesem Song zumindest bis unter die Top 40 zu gelangen. Parallelen lassen sich dabei zu Willie Nelson ziehen, der 1975 mit „Blue Eyes Crying in the Rain“ monatelang auf die mittleren Regionen der Charts verwiesen blieb, um dann unmittelbar nach Erreichen der Position 25 unversehens wieder aus den Charts zu verschwinden. Interessant dagegen, wie souverän Debby Boone im Oktober 1977 mit „You Light Up My Life” das “Star Wars Theme” vom Spitzenplatz verdrängte, um diese Position dann acht Wochen lang selbst inne zu haben. Weder KC & the Sunshine Band noch Carly Simon gelangten an ihr vorbei. Solche und ähnliche Verläufe lassen sich in diesem Buch hundertfach nachvollziehen. Ob Linda Ronstadt oder Dolly Parton, ob Elvis Presley oder Kenny Rogers, ob die Carpenters oder Dr. Hook, alle verfolgten mit ihren Vinylscheiben ja letztendlich das gleiche Ziel: möglichst viele davon zu verkaufen, um einen der vorderen Plätze zu ergattern. Das Buch enthält allerdings weder weitere Auswertungen noch Fotos. Doch um die Suche nach einem bestimmten Musiktitel zu vereinfachen, findet sich ein alphabetisches Verzeichnis aller im besagten Jahrzehnt plazierten Singletitel samt Datum des Charteinstiegs.
( www.recordresearch.com )
Ulrich K. Baues