Buch: Cash Box Regional Hits 1956

So etwas gab es bislang noch nicht – ein Blick auf die lediglich lokal erfolgreichen Singles, abseits der großen nationalen Hitparaden. Autor Whitburn startet dies mit dem Jahr 1956, und wertet hier alle regionalen Charts des US-Musikmagazins Cash Box aus. Dieses veröffentlichte zu jener Zeit wöchentlich u. a. jeweils zehn Positionen umfassende lokale Charts, deren Daten auf mehrere Arten erhoben und gelistet wurden, nämlich basierend auf Verkaufszahlen, und auf Häufigkeit beim gespielt werden in den Musikboxen und Radiosendern. Die Aufstellung folgt dem vertrauten Schema, also alphabetische Vorstellung aller Interpreten, teils mit kleinen Infos, und danach chronologische Reihung der betreffenden Singles samt Katalog-Nummer. Unter jedem Single-Titel nennt Whitburn nun die interessanten Daten, also wann erstmals erfasst, und bis auf welche Position gekommen. Ebenfalls aufgeführt wird die Stadt, wo die betreffende Scheibe häufig verlangt wurde, sei es im dortigen Verkaufsladen oder – überwiegend – in der örtlichen Radiostation. Es wird auch wieder angegeben, wenn es sich um einen Instrumental- oder fremdsprachigen Titel handelt. In diese Angaben bezog man auch kanadische Orte mit ein. Man muss sich dabei vorstellen, dass hier über 1200 Singles genannt werden, die man in den nationalen Hitparaden vergeblich suchen würde, sei es Pop, Country & Western, oder Rhythm & Blues. Daher findet man hier Raritäten, wie Elvis Presleys Single „Shake, Rattle and Roll“, Chuck Berrys „Too Much Monkey Business“, dazu Veröffentlichungen von Dean Martin, Connie Francis, Pat Boone, Tennesse Ernie Ford, Sonny James, und weiteren prominenten und auch vielen unbekannten Künstlern. Bei manchen seltenen Scheiben – wie bei Elvis – steht sogar eine Wertangabe. Es gibt hier auch Kuriositäten, beispielsweise das Roland Trio, korrekt beschrieben als „White male vocal trio from Germany“, mit der Single „Das ist Musik“, die damals in Ontario anscheinend oft im Radio lief. Oder auch die Behauptung „Du bist schon wie Musik“ von Vico Torriani, womit er offensichtlich Hörer in Baltimore und Tampa erfreute. Für Plattensammler stellt dieser Band eine Fundgrube dar, schließt sich jetzt doch sicherlich manche diskografische Lücke. Und noch ein Bonbon: Joel Whitburn bildet unzählige der genannten Scheiben hier ab, bei manchen sogar die in den USA eher seltenen Bildhüllen, und zwar alle in Farbe!

 ( www.recordresearch.com )

Ulrich K. Baues