Buch: Bing Crosby – Swinging on a Star: The War Years, 1940-1946

Der Untertitel „The War Years“ klingt dramatischer, als es der Inhalt hergibt. Es geht hier nämlich nicht um Kampfhandlungen auf den europäischen Schauplätzen während des 2. Weltkriegs, sondern primär um die Fortschreibung von Bing Crosbys Karriere in jenen schicksalhaften Jahren. Bei Bing Crosby handelte es sich seit dem Aufkommen der Big-Band-Ära um einen der bedeutendsten Künstler der US-Musikszene, und gleichzeitig um einen der beliebtesten Filmdarsteller in Hollywood. Neben den heute noch gewürdigten Orchestern von Glenn Miller oder Tommy und Jimmy Dorsey, gelang es ihm als Solo-Interpret – mehrfach auch gemeinsam mit den Andrew Sisters – seine Gesangsaufnahmen in den damals bereits von Fachmagazinen angefertigten wöchentlichen Listen der in den Läden meistverkauften, der im Radio meistgespielten, und der in Juke Boxes meistgewählten Schellacks zu plazieren. Unter diesen Songs fanden sich auch jede Menge Western-Titel, wie „New San Antonio Rose“ (1941), „Deep in the Heart of Texas“ (1942), oder „Pistol Packin‘ Mama“ (1943). Zusammen mit den Andrew Sisters stand er mit „Don’t Fence Me in“ zum Jahreswechsel 1944/45 wochenlang auf den Spitzenpositionen der drei genannten Charts. Und „White Christmas“ (1942) aus dem Musical „Holiday Inn“ bescherte Bing zusätzlich noch den meistverkauften Musiktitel aller Zeiten. Hinzu kamen seine weiteren Kinoerfolge, z. B. mit Bob Hope in „Road to Singapore“ (1940), „Road to Zanzibar“ (1941), „Road to Morocco“ (1942), und der erst 1946 veröffentlichte Film „Road to Utopia“ (1943/44). Des Weiteren gab Bing von 1936 bis 1945 den Gastgeber der populären NBC-Radiosendung „Kraft Music Hall“. Bei solch einem Bekanntheitsgrad in jenen einschneidenden Tagen ergab sich fast zwangsläufig auch sein Einsatz in der US-amerikanischen Truppenbetreuung USO. Auch diese Phase schildert der Autor sehr detailliert, einschließlich Bings bemerkenswerter Bemühungen, unter dem Spitznamen „Der Bingle“ für Radiosendungen eine kurze Ansage in Deutsch aufzuzeichnen. Dieses umfangreiche und sehr gründlich recherchierte Werk enthält zwei Hochglanzteile, mit zahlreichen teils bislang unbekannten s/w-Aufnahmen aus privaten Quellen, dazu Aushangfotos, einige farbige Kinoplakate, und sogar mehrere Schnappschüsse von Bing in Uniform. Im Anhang findet der Leser neben einer chronologisch geführten Diskografie auch eine Aufstellung sämtlicher damals unter Bings Mitwirkung entstandener Kurz- und Spielfilme.
Ulrich K. Baues