Buch: Bill Ramsey – Send in the Clown

Im April dieses Jahres seinen 90. Geburtstag zu feiern, vergönnte ihm das Schicksal noch. Doch Anfang Juli entschlief er friedlich in seiner Hamburger Wohnung. So ziemlich jede/r Deutsche kennt den Namen Bill Ramsey. Während der späten fünfziger und frühen sechziger Jahre wirkte er in rund zwei Dutzend sogenannter Schlagerfilme mit, darunter solche Kassenknüller wie „Die Abenteuer des Grafen Bobby“ oder „Unsere tollen Tanten“. Sogar im Karl-May-Western „Old Shatterhand“ durfte er eine kleine Rolle besetzen. Hinzu gesellten sich seine Erfolge als Schallplattenstar, der mit seinen sozusagen auf lustig getrimmten Singles häufig vordere Plätze der deutschen Hitparade besetzte. Sein leichter Akzent tat ein Übriges, und Titel wie „Pigalle“, Souvenirs“, „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ und die „Zuckerpuppe“ seien hier nur als Beispiele zitiert. Der Deutsch-Amerikaner Bill Ramsey beherrschte diese ihm aufgepfropfte Identität als stets etwas drollig und ein klein wenig tollpatschig wirkender US-Bürger hervorragend und erfolgreich. Gewisse Parallelen zu seinem Kollegen Gus Backus sind offensichtlich. Als dann zu Mitte der sechziger Jahre sowohl die Kino- als auch Hitparadenerfolge ausblieben, gab er in TV-Sendungen wie „Schlager für Schlappohren“ seinen jugendlichen Fans noch etwas Präsenz. Doch viel lieber wandte sich Bill seiner eigentlichen Leidenschaft zu: dem Jazz. Seine zahlreichen Anhänger und das allgemeine Publikum honorierten diesen Wechsel nicht unbedingt. Trotz hervorragender Kritiken blieben ihm nun größere Erfolge in kommerzieller Hinsicht versagt. Der Autor Pit Klein gehörte zu den Freunden Bill Ramseys. Hier schildert er aus seiner Perspektive die vielen Jahre, die er mit den Ramseys verbrachte. Man liest dieses ausführliche Buch daher in der Erkenntnis, keine der üblichen Biografien vor sich liegen zu haben. Es gibt zwar durchaus einige Abstecher in die früheren Zeiten. Doch obwohl diese wichtigen Phasen aus der Glanzzeit Ramseys nicht ignoriert werden, liegt der Schwerpunkt der Schilderungen eindeutig auf den späteren Aktivitäten, also musikalisch beim Jazz. Die zwischendurch eingestreuten, teils farbigen Illustrationen stammen gleichfalls überwiegend aus dieser Zeit.
Ulrich K. Baues