Buch: Best Sellers & Hot 100 Charts 1950-1959

Die fünfziger Jahre krempelten in den USA die Musikindustrie völlig um. Hierzu gehörte zweifellos der Wechsel von der Schellack-Platte zu den billigeren und unempfindlicheren Vinyl-Scheiben, hierzu zählte ebenso der wachsende Wohlstand mit der Möglichkeit auch eines hinsichtlich Schallplattenkäufen großzügigeren Konsumverhaltens, und hierzu kommt natürlich auch die Entwicklung neuer Musikstile. Es gab qualitativ bessere Aufnahmetechniken, und vor allem gab es neue Interpreten, die mit frischem Sound in den Hitparaden mitmischen wollten. An den wöchentlichen Charts des Fachmagazins Billboard lässt sich diese schrittweise laufende Entwicklung deutlich ablesen. Von den noch zu Beginn des Jahres 1950 dominierenden Klängen der Andrew Sisters‘, Bing Crosbys, Dinah Shores, oder der Orchesterleiter wie Dorsey und Winterhalter, fand sich kurz darauf nur noch wenig. Schon 1953 hießen die Stars Patti Page, Frankie Laine, Dean Martin oder Tony Bennett. Dies bedeutete zwar noch lange keine Revolution, zeigte aber den Hunger des Publikums nach neuen Namen, Stimmen und Gesichtern. Und noch im Mai desselben Jahres gab es auch bereits mit „Crazy Man, Crazy“ eine erste Hitparadennotierung für Bill Haley & his Comets. Der Umbruch deutete sich vorsichtig an. Zwei Jahre später, kurz nach dem US-Filmstart von „Saat der Gewalt“, landete Haleys „Rpck Around the Clock“ gar an der Spitze der Charts. Damit hatte sich der Rock & Roll durchgesetzt, und alle seine heute noch bekannten Interpreten wie Elvis Presley oder Jerry Lee Lewis folgten. In Billboard erschienen zu jener Zeit mehrere Hitparaden nebeneinander, wie z. B. „Most Played by Jockeys“ oder „Most Played in Juke Boxes“, womit die Frage nach Nennung unterschiedlicher Höchstplazierungen bei manchen Künstlern geklärt ist. Berücksichtigung finden hier einzig die wöchentlichen Hitparaden „Best Sellers in Stores“ von 1950 bis Juli 1958, mit zwischen zwanzig und bis zuletzt fünfzig Positionen. Ab August 1958 veröffentlichte Billboard dann als Folgeprodukt die bis heute erstellten legendären „Hot 100“, nach der sich viele Nachschlagewerke richten. Abgedruckt wird die jeweilige Seite von Billboard, unkommentiert, in Chronologie. Als Bonbon enthalten daher manche der Seiten auch die damals aktuellen Kaufempfehlungen für die Bereiche Pop, Country & Western, und Rhythm & Blues. Hier werden bei vielen Diskografien Lücken geschlossen, denn einige der vorgestellten Titel plazierten sich nie. Parallel zu den „Best Sellers in Stores“ gab es bei Billboard übrigens schon seit November 1955 eine wöchentliche Chart-Ausgabe namens „The Top 100“, worin die genannten Einzellisten eine Gesamtberücksichtigung erfuhren. Auch diese stehen hier in Gänze abgedruckt, bis zu deren Ende wegen Einführung der „Hot 100“ im Juli 1958. Alles in allem eine faszinierende Lektüre über die wohl heißeste Ära der Pop-Musik.
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Ulrich K. Baues