Buch: 100 Jahre Karl May im Kino

Im gleichen Format wie die Reihe der Filmbildbände gibt es hier passend eine Art chronologische Übersicht zu allen bisher im Kino gezeigten Karl-May-Abenteuern. Man staunt, wie viele Verfilmungen doch insgesamt produziert wurden. Wem lediglich die Erfolge aus der Karl-May-Welle der sechziger Jahre ein Begriff sind, wird hier manches Überraschende entdecken. Der Autor bewegt sich eingangs tatsächlich um rund einhundert Jahre zurück in die Vergangenheit, mitten hinein in die große Zeit des Stummfilms. Schon 1920 gab es ja mit „Auf den Trümmern des Paradieses“ und der „Todeskarawane“ bereits erste Verfilmungen aus dem Orient-Zyklus des bekannten Reiseschriftstellers. Der kommerzielle Erfolg hielt sich in Grenzen, und erst 1935 folgte mit dem teils in Ägypten gedrehten Spielfilm „Durch die Wüste“ der erste Tonfilm, gleichfalls mit überschaubarem Zuschauerandrang. Mehr als zwanzig Jahre später liefen mit der „Sklavenkarawane“ und dem „Löwen von Babylon“ sogar zwei Farbfilme an, die jedoch ebenfalls dem Begriff „Kassenmagnet“ nicht entsprachen. Dies alles änderte sich in den sechziger Jahren geradezu umwälzend, als man erstmals die Schauplätze vom Orient in den Wilden Westen verlagerte. Der „Schatz im Silbersee“ löste eine Riesenerfolgswelle aus, von der nicht nur „Winnetou“ profitierte, sondern in deren Sog auch wieder Abenteuer aus dem Orient-Zyklus erfolgreich verfilmt wurden. Und erstmalig sah man nun sogar den „Azteken“-Stoff auf der Leinwand. Nach dem Abflauen dieser Welle blieben weitere Versuche rar; dem biografischen Versuch „Karl May“ folgte viele Jahre später ein DEFA-Puppentrickfilm. Der nächste Paukenschlag auf der Leinwand entwickelte sich dagegen sogar zum erfolgreichsten deutschen Spielfilm überhaupt, denn „Der Schuh des Manitu“ lockte Millionen Zuschauer in die Kinos. Ihm folgte bislang noch die Zeichentrick-„Legende vom Schatz im Silbersee“. Zu allen genannten Zeiträumen bzw. insgesamt 25 Titeln trug der Autor jede Menge Bilder zusammen, teils s/w, doch überwiegend farbig. Szenen- und Aushangfotos wechseln sich ab, dazu gesellen sich Abdrucke aus Jugendmagazinen und Zeitungen, FSK-Freigabebescheinigungen, usw. Den Schlussteil beherrschen ausländische Filmplakate, auch aus nicht mehr existierenden Staaten wie CSSR und UdSSR. Auf textliche Beiträge stößt man zur Einleitung, sowie zu den Anfängen der wenigen Kapitel, ansonsten dominieren Bildunterschriften.
Ulrich K. Baues