Bluray: Ein himmlischer Schwindel

Zum einunddreißigsten und gleichzeitig letzten Male wirkte Elvis Presley hier in einem Spielfilm mit. Der „Himmlische Schwindel“ erlebte seine Kinopremiere vor genau fünfzig Jahren, nämlich im November 1969 in New York, und im Jahr darauf auch in Großbritannien. In Deutschland und Österreich lief der Streifen seinerzeit nicht an, obwohl es mit „Asphalt-Melodie“ bereits einen deutschen Titel gab. Die für Elvis vorgesehene Rolle besetzte der Superstar perfekt, wobei schnell klar wird, dass sein schauspielerisches Talent in früheren Produktionen geradezu vergeudet wurde. Die Handlung ist in New York City angesiedelt, die Dreharbeiten erfolgten allerdings in der Innenstadt von Los Angeles. Drei katholische Nonnen suchen in Zivilkleidern den Arzt Dr. John Carpenter (Presley) auf, um vor ihrem endgültigen Ordensgelübde zwei Monate lang Sozialdienst zu leisten. Dr. Carpenters Praxis liegt in einem Ghettobezirk, was natürlich für die drei Nonnen eine Herausforderung darstellt. Probleme mit Anwohnern werden schnell offenkundig, doch die drei verschaffen sich mittels einiger sozialer Projekte Respekt, darunter auch eine Protestaktion gegen hohe Preise im lokalen Supermarkt. Aber es entstehen auch Konflikte mit Patienten, und es kommt sogar zu einem Vergewaltigungsversuch seitens Julio (Millet) an Schwester Michelle (Moore), den Dr. Carpenter in letzter Sekunde zu verhindern vermag. Eine Annäherung zwischen Dr. Carpenter und Michelle bahnt sich bald an, aber nur, weil er anfangs nichts von ihrer Berufung als Nonne ahnt. Es gibt überdies kein richtiges Happy-End, denn der Schluss zeigt Michelle, wie sie in der Kirche mehrfach zwischen Jesus am Kreuz und Dr. Carpenter hin- und her blickt, jedoch wird nicht offenbart, für wen sie ihre Entscheidung trifft.
Der Film bot den Fans vier neue Elvis-Gesangsaufnahmen. Recht kurz nach Filmstart, also im April 1970, erschien der Titelsong „Change of Habit“ auf der Niedrigpreis-LP „Let’s Be Friends“ (Camden CAS-2408), wie auch die im Streifen verwendete Aufnahme von „Have a Happy“. Den Song „Let’s Be Friends“ selbst nahm Elvis zwar ebenfalls für diesen Film auf, er fand jedoch darin keine Verwendung. Der in der Schlussszene von Elvis so mitreißend angestimmte Gospel „Let Us Pray“ musste sich gar bis zum März 1971 gedulden, als er sich auf der Niedrigpreis-LP „You’ll Never Walk Alone“ (Camden CAS-2472) wiederfand. Einzig das fetzige „Rubberneckin‘“ konnte zeitgleich zum Filmstart auf einer Single glänzen, nämlich als Rückseite von „Don’t Cry, Daddy“ (RCA 47-9768), womit Elvis einen weiteren Top Ten-Hit in den USA landete. Zu hören ist im Film auch eine instrumentale Version von „Lawdy, Miss Clawdy“, mit Dr. Carpenter am Klavier und Gitarrenbegleitung seitens Michelle.
Dank des Bildformats von 1,85:1 zeigen die gängigen 16:9-Fernseher ein Vollbild, völlig ohne schwarze Balken. Das Sprachangebot beschränkt sich auf Deutsch und Englisch, beide Male als DTS-HD MA 2.0, und in ebenfalls beiden Sprachen lässt sich untertiteln. Im Bonus-Paket stecken einmal der US-Kinotrailer, die bei Koch Films stets gebotene umfangreiche Bildergalerie, sowie eine Video-Jukebox, mit allen im Film verwendeten Songs. Zusätzlich liegt der Bluray ein 16seitiges Booklet bei, mit s/w- und Farbfotos vom Film, einer Inhaltsangabe, biografischen Details zu den Darstellern, sowie Informationen zum Soundtrack.
Ulrich K. Baues