Bluray: Das süße Leben – Special Edition

Dieser s/w-Streifen dürfte sicherlich allen Leser/inne/n zumindest vom Titel her vertraut sein. Nach den gesellschaftlichen Konventionen zu Ende der fünfziger und mit Beginn der sechziger Jahre galt er tatsächlich als Skandalfilm – obwohl sich darin alle irgendwie frivolen oder gar erotischen Szenen in Andeutungen erschöpfen; wirklich aufreizende Passagen werden stets verdeckt oder kameraseitig entschärft, und bleiben der Fantasie beim Zuschauen überlassen. Der als Episodenfilm angelegte Kinostreifen handelt vom Journalisten Marcello (Mastroianni) und seinen Kollegen, die den Lebensstil der römischen Oberschicht beobachten. Marcello lässt sich dabei gerne in diese Welt hineinziehen, und erhält Einblick in die Vergnügungen der häufig mit „die Reichen und Schönen“ beschriebenen Prominenz. Eine Reihe der damals in Europa angesagten Diven wie Anouk Aimée oder Yvonne Furneaux wirkte hier mit. Und besonders der Auftritt der Schwedin Anita Ekberg im Trevi-Brunnen prägte sich weltweit ein, obwohl dabei eher wenig textilfreie Zonen zu erblicken waren. Aber anscheinend sorgten allein Anitas Bewegungen für die gerne zitierten begeisterten oder kritischen Reaktionen.
Mehrere Dinge lassen den Film auch für unsere Leser/innen interessant erscheinen. Zum einen ist es Lex Barkers Teilnahme. Der für seine auch heute noch zahlreichen Fans unsterbliche „Old Shatterhand“ drehte bereits Mitte der fünfziger Jahre kurzzeitig zwei Abenteuerfilme in Italien, kehrte dann aber wegen eines lukrativen Studio-Vertrags nach Hollywood zurück. Mangels gelungener Einsätze in dortigen Kinoproduktionen zog er 1958 erneut nach Europa, wo er durchaus erfolgreich Hauptrollen in Piraten- und Historienfilmen übernahm. Hier in „La Dolce Vita“ spielt er den US-Ehemann Robert der schwedisch-amerikanischen Schauspielerin Sylvia (Ekberg). Er trinkt eindeutig zu viel, und behandelt sie abschätzig. Doch obwohl sie dann die ganze Nacht mit Marcello durch Rom zieht, und dann durch den Trevi-Brunnen watet, passiert nichts Unsittliches. Trotzdem verpasst Robert ihr nach der Rückkehr eine Ohrfeige, worauf Sylvia weinend ins Hotel läuft.
Ein weiterer Grund für Aufmerksamkeit findet ansonsten kaum Erwähnung. Bereits kurz nach Filmbeginn sieht man eine frühe Darbietung des damals noch wenig bekannten Adriano Celentano. Er tritt in dieser Szene als Rock’n’Roll-Sänger auf, und liefert mit „Ready Teddy“ eine gelungene Vorstellung ab. Weder auf den gängigen Darstellerlisten wird er genannt, noch gab es diesen Beitrag seinerzeit auf den LPs mit dem Film-Soundtrack. Erst 1972 veröffentlichte Celentano „Ready Teddy“ als Opener seiner Vinyl-LP „I Mali Del Secolo“ (Ariola 86 263 IT). Zu guter Letzt enthält der Soundtrack mit „Patricia“ (RCA Victor 20/47-7245) den seinerzeit weltbekannten Hit des kubanischen Bandleaders Perez Prado. Dessen Mambo-Instrumentaltitel landete 1958 nicht nur hierzulande auf dem ersten Platz der Hitparade, sondern auch in den Pop-Charts aller drei maßgeblichen US-Musikmagazine. Prado kletterte damit sogar bis in die Top Twenty der damaligen „Hot Country & Western Sides“ von Billboard, und erreichte eine ähnlich hohe Plazierung im Konkurrenzmagazin Music Vendor.
Wie als Vorspann angemerkt wird, handelt es sich bei der jetzigen Version um eine sorgfältig in 4K-Auflösung restaurierte Fassung. Die BD-1 zeigt hierbei ausschließlich den eigentlichen Streifen. Auf der BD-2 läuft mit „The Truth about La Dolce Vita” eine auf Deutsch untertitelte, rund neunzig Minuten lange Dokumentation, mit u. a. bislang kaum bekannten Archivaufnahmen von Regisseur Fellini und den Darstellern während der Dreharbeiten. Das Tonformat DTS-HD MA 2.0 gilt sowohl für die deutsche, als auch für die italienische Version der BD-1. Es kann ausschließlich auf Deutsch untertitelt werden. Das verwendete Format 2,35:1 hinterlässt auf den gängigen 16:9-Monitoren oben und unten schwarze Balken. Leider gibt es weder auf BD-1 noch auf BD-2 Bonusmaterial; dem Set liegt stattdessen ein rund dreißig Seiten starkes Booklet bei.
Ulrich K. Baues