Merle Haggard mit 79 Jahren verstorben

Gestern, am 6. April 2016, seinem 79. Geburtstag, verstarb Merle Haggard um 9.20 morgens Ortszeit an einer doppelten Lungenentzündung. Schon seit Jahren hatte Haggard massive Gesundheitsprobleme, die den Star auch immer wieder zu Konzertabsagen und Terminverlegungen zwangen. 2008 kämpfte Haggard gegen Lungenkrebs und wurde danach fortwährend von Lungenentzündungen und anderen Nachwirkungen aus der Bahn geworfen. Nun war die Krankheit stärker als der Wille und Merle Haggard ist als einer der letzten ganz „Großen“ der Country Music in den Hillbilly Heaven eingezogen.
Amerika hat mit Merle Haggard einen der größten Songpoeten des Landes verloren. 

Haggard, der am 6. April 1937 als Merle Ronald Haggard geboren wurde, wuchs auf in der Nähe von Bakersfield, Kalifornien und die Wohnung seiner Eltern war lediglich ein ausrangierter und umbebauter Eisenbahnwaggon. Sein Vater verstarb sehr früh und der junge Merle Haggard wurde ein rebellischer Teenager, der auch öfter mit dem Gesetz in Konflikt kam. Der Jugendarrest gehörte zum ständigen Begleiter des jungen Merle.
Eine Begegnung mit Lefty Frizzell ließ den jungen Merle zur Musik wechseln. Als Schulabbrecher verdingte sich Merle Haggard als Farmhelfer, arbeitete auf den Ölfeldern oder als Fernfahrer und Aushilfskoch in Schnellrestaurants.
1957 kam Haggard wegen versuchten Raubes in das Zuchthaus San Quentin. Seinen 21. Geburtstag feierte er dort als Häftling A-45200.
1958 besuchte er im Gefängnis ein Konzert von Johnny Cash und diese Erfahrung, sowie der Tod einiger Mitgefangener im Todestrakt, brachten Merle Haggard auf den rechten Weg. Haggard nahm an Bildungsmaßnahmen im Gefängnis teil und machte dort so etas wie den High School Abschluß nach. 1960 wurde er begnadigt und wurde fortan im Leben von den Erinnerungen dieser harten Zeit verfolgt.

Nach seiner Entlassung begann Haggard nach und nach Fuß zu fassen im Nachtleben und der Musikszene von Bakersfield. Das unabhängige Musiklabel Tally nahm ihn unter Vertrag. Mit der Wynn Stewart Nummer „Sing A Sad Song“ kam Merle im Jahr 1963 erstmals in die Charts. Der erste Top 10 Hit folgte 1965 mit der Liz Anderson Komposition “(All My Friends Are Gonna Be) Strangers.” Seine Begleitband trug von da an den Namen The Strangers, angelehnt an diesen Hit. Capitol Records und vor allem deren Produzent Ken nelson, nahmen den aufblühenden Musikstern unter ihre Fittiche. Es folgte kurz darauf der erste Nummer 1 Hit in der Karriere von merle Haggard mit einer weiteren Liz Anderson Nummer namens „The Fugitive“. Obwohl dieser Song durchaus biografische Züge des Vorlebens von Haggard aufweist, ist das purer Zufall, denn Songschreiberin Anderson wußte gar nichts vom Vorleben des Künstlers.
Danach begann Merle Haggard mehr und mehr eigene Songs zu produzieren. in den 60er kamen dabei etliche Riesehite zustande, wie z. B.  “Swinging Doors” (1966), “The Bottle Let Me Down” (1966), “I Threw Away The Rose” (1967), “Branded Man” (1967), “Sing Me Back Home” (1967), “The Legend of Bonnie and Clyde” (1968), “Mama Tried” (1968), “I Take a Lot of Pride in What I Am” (1968), “Hungry Eyes” (1969) oder auch der “Workin’ Man Blues” (1969)

Die Academy of Country Music ehrte Haggard von 1965 - 1969 mit insgesamt 9 Awards, denen in den 70ern noch 4 weitere folgen sollten. Gemeinsam mit Buck Owens, Wynn Stewart und Red Simpson wurde Merle Haggard zur Leitfigur des neuen Bakersfield Sound.
1970 wurde sein Song „Okie From Muskogee“ zur Single des Jahres von der Country Music Association gewählt. Kurz darauf folgte mit „The Fightin` Side Of Me“ noch ein weiterer Tophit in die gleiche Richtung.

Merle Haggard war zu dieser Zeit einer der bekanntesten Country Musiker der ganzen Welt. 1969 bekam er einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame, Die CMA ehrte ihn 1970 als Sänger und Entertainer des Jahres. Kaliforniens Gouvernour Ronald Reagan hob 1972 alle Bewährungsauflagen auf und gab Merle Haggard die vollständige Begnadigung.
Zwischen 1973 und 1976 verbuchte Merle Haggard neun Nummer 1 Hits in Folge.
1976 begann eine neue Ära bei MCA Records. Haggards Hits hießen u. a. “If We’re Not Back in Love By Monday” (1977), “Ramblin’ Fever” (1977), “I’m Always On A Mountain When I Fall” (1978), “My Own Kind Of Hat” (1979), “The Way I Am” (1980), “I Think I’ll Just Stay Here And Drink” (1980) und “Rainbow Stew” (1981).
1977 folgte die Aufnahme in die Nashville Songschreiber Hall of Fame.
Auch als Kollege war Merle Haggard immer Ansprechpartner und Vorbild für etliche andere Künstler. Zu seinen Duettpartnern gehörten u. a. Willie Nelson, George Jones oder auch Schauspieler Clint Eastwood, mit dem er den Song “Bar Room Buddies” bis auf Platz 1 der Charts führte.
1980 kam der Wechsel zu Epic Records und in der nächsten Dekade folgten weitere große Hits wie die Duette “Yesterday’s Wine” mit George Jones oder “Pancho and Lefty“ mit Willie Nelson. dazu die vielen unvergessenen Hits wie “My Favorite Memory” (1981), “Big City” (1982), “Are the Good Times Really Over” (1982), “Going Where the Lonely Go” (1982), “Someday When Things Are Good” (1984), “A Place to Fall Apart” (1984), “Natural High” (1985), “Kern River” (1985), “I Had a Beautiful Time” (1986), “Twinkle, Twinkle Lucky Star” (1987) oder “A Better Love Next Time” (1989).

In den 90ern des letzten Jahrhunderts hatte Merle Haggard mit finanziellen Problemen zu kämpfen und auch sein Alkohol - und Drogenkonsum machten ihm sehr zu schaffen.
Mitte der 90er begannen sich andere Künstler an den großen Merle Haggard zu erinnern und es erschienen zwei sehr interessante Tributalben. Zum einen „Tulare Dust“, wo u. a. Dwight Yoakam, Rosie Flores, Lucinda Williams und Billy Joe Shaver dem „Hag“ huldigten und zum anderen „Mama`s Hungry Eyes“, woe sich Stars wie Emmylou Harris, Vince Gill, Brooks & Dunn, Alabama, Alan Jackson, Randy Travis oder Pam Tillis ihren Lieblingssongs von merle Haggard annahmen.
Merle Haggard war zurück im Rampenlicht und tourte wieder häufiger. Auch der Beginn des neuen Jahrtausends sah Merle haggard weiter sehr fleißig. Seine Alben wie 2000 -  If I Could Only Fly, 2001 - Roots, 2002’ -  The Peer Sessions, 2003 -  Like Never Before, 2004 - Unforgettable, 2005 -  Chicago Wind, 2007 -  The Bluegrass Sessions, 2007 -  Working Man’s Journey, 2010 -  I Am What I Am and 2011 -  Working in Tennessee, brachten jeweils beste Kritiken.

Zuletzt veröffentlichte Haggard mit seinem Freund Willie Nelson noch das viel beachtete Album „Django And Jimmie“ im letzten Jahr.
„The Hag“, so Haggards Spitzname brachte es in seiner langen Karriere auf über 110 Titel in den Country Music Charts, darunter 71 Top Ten Hits und 38 Nummer 1 Hits. Merle Haggard hat mehr als 90 Country Music Alben veröffentlicht. Kaum ein Musiker wurde mit so vielen Preisen überhäuft wie er und wenige waren so richtungsweisend auf die Karrieren anderer Künstler/innen. 

Mit Merle Haggard verliert die Country Music nicht nur einen der ganz Großen des Genres, sondern vielleicht den neben Willie Nelson noch letzten aus der Riege der Unwiderbringlichen / Einzigartigen.
Auch ich persönlich verliere meinen Country Music Lieblingskünstler, einen Favoriten, der nicht zu ersetzen war, ist und es niemals sein wird.
Rest in Peace Merle Haggard

Kai Ulatowski