Josh Ward: Promises

Dass die vielleicht beste Country Music ihren Ursprung nicht in Nashville, sondern sehr oft in Texas hat, ist längst kein Geheimnis mehr. Hin und wieder schaffen einige dieser hoch talentierten Texaner dann auch den Durchbruch in "Music City" und avancieren gar zu unvergessenen Stars und Legenden (z. B. Greoge Strait, Waylon Jennings), doch viele bleiben trotz ihrer immensen Fähigkeiten weitestgehend unentdeckt "daheim" im Lone Star State, um einfach ihrem Herzen zu folgen und reine Country Music zu spielen - zeitlos, Trend unabhängig, ehrlich. Im Grunde genommen sind genau diese Leute die wahren Countrystars. Einer, bei dem das, wie zuletzt beispielsweise auch bei John Slaughter, Nate Kipp, Cody Johnson oder Aaron Watson, ohne jeden Zweifel zutrifft, ist der in Houston geborene und schon von Kind an mit Country Music aufgewachsene Josh Ward. Willie Nelson, Waylon Jennings, George Jones, Merle Haggard und George Strait waren und sind seine Inspiration. Früh schon erlernte er das Gitarrespielen und begann zu singen, stets bemüht, seine Stimme zu verbessern. Während seiner Highschool-Zeit trat er bei lokalen Rodeos auf, wo er oft die herunter geklappte Heckklappe und die Ladefläche eines Pickup-Trucks als Bühne nutzte, um seine Songs zu performen. Im Laufe der Jahre schließlich trat er mit seiner Band landauf, landab in den einschlägigen Bars und Honky Tonks auf, was ihm eine bis heute stetig wachsende Fanschar bescherte. Mittlerweile ist er in der Texas Country-Szene fest etabliert, wie nicht nur "Getaway", die erste Single seines neuen Albums "Promises" mit ihrer hohen Platzierung in den Texas Music Charts beweist - nein, das ganze Album ist eine Wohltat für die Country Music. Das ist exzellenter, traditioneller Country durch und durch, knackig und kraftvoll in Szene gesetzt, unverfälscht, unverbraucht, natürlich. Die Musik klingt frisch, aber auch schön erdig, frei von jeglichem Produktions-Bombast, dabei stets melodisch und sehr eingängig. Josh verfügt über eine prächtige Countrystimme, ausgestattet mit einem Potential, das auch traditionellen Nashville-Newcomern wie Craig Campbell oder Easton Corbin mächtig Konkurrenz machen könnte. Eingespielt wurde das Album mit namhaften texanischen Musikern, wie zum Beispiel Clay Corn am Klavier, Nate Coon an den Drums, dem Ausnahmegitarristen John Carroll und Multi-Instrumentalist Milo Deering an der Pedal Steel, dem Dobro und der Fiddle. Das Songmaterial ist von vorn bis hinten klasse. Nehmen wir zum Beispiel der Eröffnungstrack "Rainout hangout", ein großartiger, kraftvoller Honky Tonk-Stampfer mit wunderbarem Piano-Geklimper und knackigen Gitarren. Ist die zweite Single des Albums und ebenfalls wieder auf dem Weg in die Spitzenpositionen der Texas Music-Charts. Man kann sich gut vorstellen, wie die Josh Ward Band eine solche Nummer in einem urigen, "verräucherten" Texas-Saloon spielt, wo die einheimischen Cowboys mit reichlich Bier und Whiskey ihren (Liebes)Kummer herunterspülen. Sehr stark! Wie auch die von den wunderbaren Hooklines des begnadeten Gitarristen John Carroll durchzogene, herrlich melodische, schön "satt" vorgetragene Countryballade "Lights of town". Klasse auch hier wieder die hintergründigen Piano-Fills. So muss ehrliche, kräftige, unverbrauchte Country Music klingen. Oder das fantastische "Pony town" - was für ein großartiger, schwungvoller, Fiddle- und Guitar-driven Countryheuler. Satte E-Gitarren und erneut eine tolle Melodie erzeugen hier ein wunderbares Western-Feeling, zeitweise sogar ein gewisses, Strait'sches "Amarillo by morning"-Flair, nur etwas kraftvoller dargeboten. "Lonely", der Titel lässt es schon vermuten, ist dann wieder eine vorzüglich und emotional vorgetragene Ballade, durchzogen von heulender Steelguitar, schönen Gitarren und dezentem Pianospiel. Toll! So geht das bis zum Ende weiter. Josh Ward erfreut die Countrywelt mit einem 1A-Album, allerbester, ehrlicher "Pure Texas Country Music", an dem es wirklich nichts zu mäkeln gibt. Wie gesagt, das sind die Leute, die die Fahnen echter Country Music wirklich hoch halten. Mach weiter so, Josh - "that's why we like Country Music"...
www.joshwardmusic.com
Jürgen Thomae