CD - Vince Gill: Down To My Last Bad Habit

Nach 4 Jahren bringt Vince Gill wieder ein eigenes Studioalbum heraus. Untätig war er dennoch keineswegs. Als festes Bandmitglied der Time Jumpers ist er ständig beschäftigt.  Und vor zwei Jahren brachte er, gemeinsam mit Paul Franklin, das Buck Owens/Merle Haggard Tribute-Album "Bakersfield" heraus. Live arbeitet er zudem mit seiner Ehefrau Amy Grant zusammen, aktuell kommt auch noch Lyle Lovett hinzu.
Auf seinem aktuellen Album "Down To My Last Bad Habit" ist laut Vinces eigener Aussage nur ein einziger Countrysong dabei, und zwar die mega-traditionelle Nummer "Sad One Comin' On (A Song For George Jones)". Wie im Zusatz des Titels erkennbar, hätte dieser Titel auch einem George Jones gut zu Gesicht gestanden. Die altmodische Schnulze geht sofort in jedes Countryohr. Einfach wunderbar!
Doch so komplett anders als gewohnt ist Vince dann letztlich doch nicht. Denn seine unverwechselbare Stimme bleibt natürlich, auch wenn die Klänge allgemein rockiger sind.  Balladen, die seit jeher seine Stärken sind, fehlen auch hier keineswegs. Wie "I Can't Do This" mit der Geschichte über die Gedanken, die er hat, als er der Verflossenen auf der Straße mit ihrem neuen Lover begegnet. Oder von der verlorenen Liebe in "One More Mistake I Made". Chris Botti wird hierin im Backgroundgesang gefeatured. Der Opener "Reasons For The Tears I Cry" im knackigen Rhythmus und der Titelsong "Down To My Last Bad Habit" im getragenen Tempo bestechen ebenso wie das erdige "Me And My Girl" sowie das sentimentale "Like My Daddy Did".
Die Band Little Big Town war dabei im rockigen "Take Me Down", in dem neben Vince auch Richard Marx und Jillian Jaqueline als Songschreiber beteiligt sind. Richard Marx und Vince Gill schrieben gemeinsam zudem die Nummer "When it's Love", die zunächst recht rockig ist, durch die Steel Guitar von Paul Franklin jedoch auch einen Countrysound bekommt.
Obwohl von Vince Gill als Nicht-Country-Album deklariert, klingt diese Musik für mich noch immer viel mehr nach Country als vieles, was in den letzten Jahren sonst so aus Nashville angeboten wurde.
Ein großartiges Vince-Gill-Album, das, wie eigentlich immer bei ihm, durch seine einzigartige, großartige Stimme brilliert und zum Genuss wird;  egal, welch musikalische Richtung er gerade einschlägt. Ganz großes Kino!

Iris Paech

www.vincegill.com