CD: Ray Johnston Band - No Bad Days

Beinahe wäre Ray Johnston ein Mannschaftskollege von Dirk Nowitzki bei den Basketballern der Dallas Mavericks geworden. Bis zur letzten Ausscheidungsrunde hatte der aus Montgomery, Alabama, der Heimat des großen Hank Williams stammende Johnston es schon geschafft. Doch seine Leukämieerkrankung, die er seit vielen Jahren bekämpft und die derzeit seit 4 Jahren in Remission ist, ließen die Lebensplanung von Ray Johnston anders weitergehen. Ray konzentrierte sich vermehrt auf seine musikalische Leidenschaft und auch durch die Unterstützung des Besitzers der Dallas Mavericks, Marc Cuban, der einen TV Dokumentation mit der Ray Johnston Band mit dem Titel „Road Diaries“ produzierte, kam die Karriere als Sänger und Songschreiber ins Rollen.
Nun ist die dritte Produktion namens „No Bad Days“ erschienen. Geplant war eine erneute EP, wie der Vorgänger „Against The Grain“, doch nach ein paar kleinen Wohnzimmerkonzerten, bei denen die Fans eine Bewertungskarte zu den einzelnen Song ausfüllen konnten, merkte Ray, dass alle seine Songs mehr oder weniger den Cut schafften - und so wurde schnell der Plan zu einer kompletten CD mit 11 Songs gefasst. Die Songs stammen bis auf zwei Coverversionen sämtlich von Ray Johnston und Co-Komponisten wie z. B. James Slater, James Otto, Django Walker oder Trent Willmon. Produziert wurde bei Erik Herbst in seinen Studios in Denton, Texas.
Herausgekommen ist eine absolute Spitzenproduktion, die moderne Texas Country Music mit allen Zutaten, wie eingängigen Melodien, Texten aus dem Herzen der Gesellschaft und vor allem mit Fiddle und Steelguitar.
Die erste Single des Albums „Crush“ war im Frühjahr bereits in den Top 30 der Texas Country Music Charts. Rechtzeitig zur Veröffentlichung des Albums erschien nun die zweite Single „More Crown Than Coke“, noch dazu mit einem tollen Video (hier geht es zum Video: http://www.youtube.com/watch?v=pw1T7WkP8bA ). Der Titel eröffnet dann auch die Produktion mit seiner groovenden Partystimmung. Das Glas ist immer etwas voller als leer, so könnte man den Grundtenor des Songs einfangen. Der Song schaffte in den Texas Music Charts den Sprung bis in die Top 20. Ein toller Start für eine gut 40-minütige Reise durch gute Laune machende, herrlich produzierte Texas Country Music. Als nächsten Song wählte Ray Johnston seine Version des Pure Prairie League Klassikers „Amie“ mit tollen Harmonien von den Rankin Sisters Amy und April. Schon bei diesem Titel fallen die wirklich tollen Musiker auf dem Album auf. Da sind vor allem der Multiinstrumentalist Milo Deering, der auf der CD für Mandoline, Dobro, Steel Guitar, Fiddle und klassische Gitarre zuständig zeichnet. Dazu kommt mit John Carroll einer der versiertesten Gitarristen in Texas (u. a. Cory Morrow, Clay Blaker etc.). Kaum ein Gitarrist kann diesen speziellen texanischen Gitarrensound besser. Der Grundteppich der immer in die Beine gehenden Musik kommt von Dan Wojoehoeski an den Drums und David Deshazo am Bass.
Etwas rockiger geht es weiter mit „This One`s On Me“, das aber dennoch mit einem tollen Fiddle-Solo glänzt. Ein gefundenes Fressen für alle Tänzer/innen in Texas und darüber hinaus.
„Southwest Texas Afternoon“ lädt dazu ein, mit offenem Fenster durch die Landschaft zu cruisen und von den Weiten Texas’ zu träumen. Eine Huldigung an die Schönheit des Südwestens des Lone Star States, in Musik umgesetzt von Trent Summar und Monty Holmes.
Den nächsten Track „Life Out Here“ dominieren Rocky Gribble mit dem Banjo und Milo Deering mit flotten Fiddle und Steelguitar Einlagen. Wer sich diesem Rhythmus entziehen kann, sollte untersuchen lassen, ob noch Blut durch seinen Körper fließt.
Etwas ruhiger, aber keineswegs weniger hitverdächtig kommt „Keep It Rollin“ daher. Ein Titel, den sicherlich viele auf der Rechnung als nächste Single haben werden. Bei diesem Song wird alles offensichtlich, was den Unterschied zwischen aktueller Country Music aus Nashville und Texas ausmacht. Während in Nashville alles mit Synthesizer Loops und Computerstreichern zuproduziert werden würde, bleibt Texas (hier in Person von Produzent Erik Herbst) den Wurzeln bei aller modernen Studiotechnik treu mit wunderschönen Steel-Guitar-Passagen und einem Gitarrensolo, das nicht gleich in Richtung Hardrock abdriftet. Große Klasse!
Wo andere Alben beginnen mit ihren Füllern und Tracks, die nie öfter als zwei-drei Mal gespielt werden, beginnt bei der Ray Johnston Band eine zweite Hälfte der CD, die dafür sorgen wird, dass man dieses Album wahrscheinlich immer im Ganzen genießen möchte. Schon der Titel „Small Town Square“ über das Leben in der Kleinstadt im schönen Two-Step-Tempo, oder das nachfolgende Highlight „Days We Live For“ mit einem unverwechselbaren, akustisch getriebenen Sound von Gitarren und Mandoline - einfach wunderschöne Musik!
Ein weiterer Favorit ist der Titelsong der CD „No Bad Days“, der thematisiert, dass es keine schlechten Tage gibt, solange man noch atmet. Positiv Denken und dabei feinste Country Music hören, kein Problem mit der Ray Johnston Band.
Für mich persönlich die größte Entdeckung des Jahres 2014. So mag ich Country Music, ehrlich, wunderschön umgesetzt in einer Harmonie zwischen Vortragenden, Produzenten und Technik, dabei aber so modern wie nötig und doch so traditionell wie möglich.
Wir Country-Music-Fans dürfen froh darüber sein, dass Ray Johnston nicht in der NBA neben Dirk Nowitzki, sondern in der Texas Country Music Szene neben Kevin Fowler, der Eli Young Band oder Cory Morrow gelandet ist.

Absolute Empfehlung von meiner Seite! Beide Daumen hoch!

Kai Ulatowski

www.rayjohnstonband.com