CD: Glen Campbell Sings for the King

Vor seiner erfolgreichen Zeit als Interpret arbeitete der im Vorjahr verstorbene Glen Campbell u. a. als vielgefragter Studiomusiker, wirkte ein halbes Jahr lang bei der Instrumentalcombo The Champs („Tequila“) mit, und ging als zeitweiliger Ersatz für Brian Wilson mit den Beach Boys auf Tour. Nebenbei besang er Demobänder für andere Künstler, darunter auch Elvis Presley. Die hier vorgestellten Aufnahmen stammen aus jener Zeit. Sie befanden sich auf teils fünfzig Jahre lang verschollenen Magnettonbändern, die kürzlich erst wieder aufgefunden wurden. Den roten Faden bilden hierbei die Songschreiber Ben Weisman & Sid Wayne, die solcherart Elvis ihre Produkte schmackhaft zu machen versuchten. Glens Gesangsvorgaben sollten dabei als Entscheidungshilfen für die jeweils zu treffende Auswahl an Titeln dienen. Kennt man die später entstandenen entsprechenden Versionen von Elvis, hört man schnell heraus, bei welchen Songs Glen sofort das über das richtige Gespür verfügte. Dies gilt ohne Zweifel für die jetzt auch als Single erhältliche Aufnahme von „Easy Come, Easy Go“, und u. a. für „Clambake“ oder „Stay Away, Joe“. Von den achtzehn hier vorgestellten Demos übernahm Elvis genau ein Dutzend dann auch tatsächlich in sein Repertoire. Unter den unberücksichtigt gebliebenen Songs gibt es manche, die sicherlich ebenfalls hervorragend zu Elvis gepasst hätten, wie der Country-Song „Any Old Time“, oder „Love on the Rocks“. Den Clou dieser faszinierenden CD stellt der Opener dar: der Zusammenschnitt beim Gospelsong „We Call on Him“, also ein künstlich erzeugtes Duett von Glen & Elvis – trotz mehrerer persönlicher Begegnungen der beiden Künstler bot sich zu deren Lebzeiten leider nie die Gelegenheit zu einer echten Gemeinschaftsproduktion. Für die wachsende Schar der Sammler von Vinylschallplatten gibt es dieses Album mit allen achtzehn Titeln auch als LP-Version (Capitol 602567584841).

Ulrich K. Baues