Buch: Ein Name wie Musik – Die Polydor-Singles Deutschland, 1953-1970

Mit dem Namen Polydor verbinden die meisten jüngeren Leserinnen und Leser vermutlich die Schallplattenschränke der Großeltern. Darin steckten – meistens auch alphabetisch geordnet – die Vinyl-Singles früherer Gesangsstars und -sternchen, und ein großer Teil der damaligen Interpreten stand nun mal bei Polydor unter Vertrag. Man fand das markante, unverwechselbare Logo daher auf vielen Plattenhüllen. Dieses schon vor einiger Zeit erschienene Buch beschäftigt sich nun  passenderweise mit den Polydor-Singles in Deutschland. Nach Nummern geordnet werden hier alle (!) Veröffentlichungen des angegebenen Zeitraums aufgelistet, und zwar unter Angabe des jeweiligen Interpreten, und Nennung aller Titel, also sowohl der “A“- als auch “B“-Seiten. Die Zahl geht in die Tausende, denn es gab neben reinen Schlagern auch noch Märsche, Volks- und Seemannslieder, Hawaiimusik, uvm. Soweit es möglich war, zeigt das Buch auch eine farbige Abbildung der zugehörigen Plattenhülle. Bei den ausländischen Polydor-Ablegern standen später zwar auch interessante Künstler wie Ringo Starr oder die Eagles unter Vertrag, und in Nashville gehörten u. a. C. W. McCall, 4 Runner, Bob Luman, Marie Osmond oder Toby Keith zu denjenigen, die ihre Singles bei Polydor auf den Markt und auch in die Charts brachten. Diese finden im vorliegenden Buch aus thematischen Gründen (leider) keine Berücksichtigung. Im Programm der hiesigen Polydor gab es damals aber recht viele der Künstler, die musikalisch zu den Genres des deutschsprachigen Rock & Roll und Country & Western zählten, wie Peter Hinnen, Tony Sheridan, Peter Kraus, Ted Herold, Martin Lauer, Gus Backus, Ralf Paulsen, um nur einige wenige zu nennen. Sie alle finden sich hier mit ihren sämtlichen Polydor-Singles verewigt. Blättert man durch die Seiten, stößt man noch auf zahlreiche weitere Country- oder Western-Songs von Interpreten, bei denen man es nicht unbedingt erwartet hätte, wie Peter Alexander (“Ich zähle täglich meine Sorgen“), Lolita (“Die Sterne der Prärie“), Margot Eskens (“Melodie von Laramie“), Mina (“Am Rio Grande“), usw. Sie alle wetteiferten mehr oder weniger erfolgreich um die Gunst der Zielgruppe des Country & Western. Bei vielen anderen Singles wird man womöglich weder Namen noch Titel kennen, bei dem einen oder anderen Eintrag kommen dagegen vielleicht Erinnerungen an längst vergessen geglaubte Zeiten hoch – das Buch, oder besser Polydor, bieten dem Leser zweifellos ein paar durchaus überraschende Momente.
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Ulrich K. Baues