Bluegrass Music Patriarch Ralph Stanley gestorben



Ralph Stanley, der Patriarch der Appalachen Musik, der mit seinem Bruder Carter stark daran beteiligt war die Bluegrass Music bekannt zu machen, ist am gestrigen Donnerstag im Alter von 89 Jahren an den Folgen seines Hautkrebses gestorben.
Stanley wurde am 27. Februar 1927 im Südwesten des US Bundesstaates Virginia geboren und wuchs dort auf, wo Kohleminen und tiefe Wälder das Landbild prägten. Zusammen mit seinem Bruder Carter gründete Ralph Stanley 1946 die Clinch Mountain Boys. Von ihrem Vater lernten die Brüder solche traditionellen Titel wie „Man Of Constant Sorrow“, während ihre Mutter, eine Banjopickerin, den beiden Jungs die Methode des Clawhammer Pickings beibrachte, einen Stil, bei dem die Finger die Saiten von oben nach unten rhythmisch bearbeiten.
Stark beeinflusst von der Musik des Grand Ole Opry Stars Bill Monroe, vereinten die Brüder die schnellen Rhytmen eines Bill Monroe mit den Folksongs ihrer bergigen Heimat von Gruppen wie der Carter Family, die aus der selben Ecke von Virginia stammt.
The Stanleys erschufen einen wiedererkennbaren dreistimmigen Satzgesang, der den Hauptgesang von Carter Stanley mit Ralphs Tenorstimme und einer weiteren etwas höher klingenden Stimme von Bandmitglied Pee Wee Lambert. Carter Stanley komponierte für die Gruppe Songs, denen eine tiefe Leidenschaft für die Landschaft aus der sie kamen innewohnte, die aber auch romantisch, und zugleich tragisch und einsam klangen.
Songs wie „The Lonesome River“ benutzten das Water als Synonym für eine verloren gegangene Liebe und „White Dove“ beschrieb die Trauer nach dem Verlust der Mutter und des Vaters. 1951 erreichten die Clinch Mountain Boys mit dem Titel „Man Of Constant Sorrow“ erstmals größere Aufmerksamkeit. Der Titel wurde in den 60ern später auch u. a. von Bob Dylan noch einmal aufgenommen.
Die Brüder Stanley wurden Bestandteil der aufstrebenden Folk Bewegung in den USA und waren stetige Gäste auf den Folk - und Bluegrass Festivals dieser Zeit, so u. a. beim legendären Newport Folk Festival in 1959 und 1964.
Als Carter dann 1966 an einer Lungenkrankheit verstarb, war Ralph Stanley nicht sicher, ob er die Gruppe allein weiterführen sollte. Schließlich fehlte nunmehr mit Carter der Hauptsänger und maßgebliche Songschreiber der Formation. Ralph dagegen war eher scheu und zurückhaltend, obwohl er in den Jahren seit 1946 schon viel dieser Zurückhaltung überwinden konnte.
Ralph erzählte später:“In den Tagen und Wochen nach Carters Tod erhielt ich viele Briefe und Telefonate, in denen die Leute uns baten nicht aufzuhören. Die Leute bekundeten ihre Loyalität zu den Clinch Mountain Boys und versprachen auch weiterhin zu der Band zu stehen.“

Nach Carters Ableben verschrieb sich Ralph Stanley noch mehr den musikalischen Wurzeln seiner Heimatregion, u. a. kamen auch vermehrt a-capella Stücke hinzu, die er durch die Gemeinde seiner Baptistenkirche kennenlernte. Er reformierte die Clinch Mountain Boys mit u. a. Ray Cline, dem Sänger Larry Sparks und Melvin Goins. Stanley trat auch als Mentor für junge Nachwuchsmusiker in Erscheinung, so u. a. für Keith Whitley oder Ricky Skaggs.
Künstler wie Bob Dylan oder auch Greatful Deads Jerry Garcia gehörten zu den Bewunderern der Musik von Ralph Stanley und Bob Dylan war dann auch als Gast bei einer Neuaufnahme von „Lonesome River“ im Jahr 1997 dabei.
1976 erhielt Ralph Stanley einen Ehrendoktortitel der Lincoln Memorial University in Harrogate, Tennessee. Danach wurde er oftmals als „Dr“ Ralph Stanley angekündigt. Stanley spielte für mehrere Präsidenten und wurde im Jahr 2000 in die Grand Ole Opry aufgenommen.
Im hohen Alter von 73 Jahren bekam Ralph Stanley große Aufmerksamkeit von einer neuen Generation von Fans. Durch sein großartiges a-capella Stück „O Death“ aus dem Kinohit „O Brother, Where Art Thou?“ war Stanley mitten im Rampenlicht. Der Soundtrack zu diesem Film stieg bis auf Platz 1 der Hitparaden in den USA und verkaufte sich millionenfach.
Im Jahr 2002 gewann Ralph Stanley den Grammy für die beste männliche Country Music Performance und schlug dabei Genregrößen wie Tim McGraw, Willie Nelson, Johnny Cash und Lyle Lovett. Der Soundtrack zum Film gewann ebenfalls einen Grammy. Ein Jahr später gewann Stanley gemeinsam mit Jim Lauderdale einen weitere Grammy für das Album „Lost In The Lonesome Pines“.
In einem Interview mit AP sagte Ralph Stanley 2002:“ Es ist schön zu sehen, dass immer mehr junge Leute zu unseren Konzerten kommen und diese Old Time Music genießen. Ich wünschte nur es wäre 25 Jahre eher passiert, dann würde ich es genau genossen haben, nur hätte länger noch etwas davon.“
Auch allen gesundheitlichen Problemen zum Trotz nahm Stanley bis hoch in seine 80er noch CDs auf und tourte regelmäßig, oftmals mit seinem Sohn Ralph Stanley II an der Gitarre.

Der nächste wegweisende Country & Bluegrass Musiker, der in diesem Jahr in den Hillbilly Heaven berufen wurde.

Kai Ulatowski
Foto: Michael Wilson